Kultur : Vergangene Freude

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Ulf Meyer

Die Rationierung von Kaffee und Zucker und die Reparationszahlungen an die Sowjetunion wurden gerade rechtzeitig beendet, als in Helsinki 1952 die XV. Olympischen Sommerspiele stattfanden. Europa litt damals noch unter den Folgen des Zweiten Weltkriegs. Die finnische Kapitale war die kleinste Stadt, in der jemals olympische Sommerspiele ausgetragen wurden, und als „familiär und freundlich“ ging die Olympiade in Helsinki denn auch in die Sportgeschichte ein. Eine Ausstellung des Finnland-Instituts in Berlin, vom Sportmuseum Helsinki zusammengestellt, lässt die Spiele von 1952 noch einmal Revue passieren (Alt Moabit 98, bis 21. März. Mo 10-17 Uhr, Di-Do 11-19 Uhr, Fr 9-15 Uhr. Eintritt frei). Wichtigstes Relikt der baulichen Anlagen ist das strahlend weiße Olympiastadion, das von Lindegren und Jäntti entworfen wurde und als Meilenstein der modernen Architektur in Skandinavien gilt. Der schlanke Olympia-Turm und die leichten Pfeiler der Betontribünen prägen das Stadion noch heute. Es war ebenso wie die anderen Sportstätten bereits Ende der dreißiger Jahre fertiggestellt worden, weil Helsinki die Olympischen Spiele 1940 zugesprochen bekommen hatte. Sie mussten wegen des Zweiten Weltkrieges abgesagt werden. Als Helsinki dann abermals zum Gastgeber der Olympiade gewählt wurde, waren die Sportstätten komplett vorhanden. Die Olympiade in Helsinki fand mitten im Kalten Krieg statt, die politische Spaltung der Welt wurde sichtbar. So mussten auf Verlangen der Sowjetunion, die zum ersten Mal an einer Olympiade teilnahm, die sowjetischen Sportler in einem separaten olympischen Dorf untergebracht werden. Der Wettkampf der beiden Weltmächte wurde indessen sportlich ausgetragen: Die größte Mannschaft der Olympiade stellte damals zwar die Sowjetunion, aber die erfolgreichste die USA.

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