• Vergangenheitsbewältigung: Herta Müller fordert Verfolgung von Securitate-Spitzeln in Deutschland

Vergangenheitsbewältigung : Herta Müller fordert Verfolgung von Securitate-Spitzeln in Deutschland

"Deutschland ist ein gemütliches Reservat für Securitate-Spitzel" – Nobelpreisträgerin Müller fordert, dass gegen Ex-Agenten des rumänischen Geheimdiensts ermittelt wird.

Es sei notwendig, die ehemaligen Spitzel des früheren rumänischen Geheimdienstes zur Rechenschaft zu ziehen, wie es auch eine Aufarbeitung der Vergangenheit bei Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) des DDR-Staatssicherheitsdienstes gegeben habe, sagte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Das berichtet das ARD-Magazin Report Mainz.

Es gebe nicht nur ein Defizit bei der Strafverfolgung, es sei bisher gar nichts geschehen. "Deutschland ist ein gemütliches Reservat für Securitate-Spitzel", kritisierte die Schriftstellerin, die während ihrer Zeit in Rumänien vom Geheimdienst verfolgt wurde. Die Securitate-Angehörigen seien auch ein deutsches Problem: "Sowohl Opfer wie auch Täter sind jetzt hier und deutsche Staatsbürger." Nach Schätzungen von Wissenschaftlern leben zwischen 500 und 2000 frühere Spitzel des rumänischen Geheimdienstes in Deutschland.

Der Rumänien-Experte der Birthler-Behörde, Georg Herbstritt, wies in der TV-Sendung darauf hin, dass viele Taten bereits verjährt seien. Außerdem könnten frühere Spitzel nicht für Taten in Rumänien belangt werden. Strafrechtliche Verfolgung sei jedoch möglich, wenn Securitate-Angehörige in Deutschland tätig gewesen seien. In einem solchen Fall könne wegen der Spionage für einen fremden Geheimdienst ermittelt werden.

In der Sendung wurden Indizien und Aussagen genannt, wonach die Identität des erstens Spitzels, der über Herta Müller berichtet haben soll, geklärt sei. Es handelt sich um einen Mann, der früher zum Freundeskreis von Herta Müller gehörte, später in den Westen gelangte und als Autor arbeitete und heute bei einem Linoleumkonzern in Ludwigshafen beschäftigt sein soll. "Voicu", so der Deckname des Spitzels, habe für die Securitate einen Bericht verfasst, in dem er ihrem ersten veröffentlichten Text, dem Roman Niederungen, staatsfeindliche Tendenzen vorgeworfen habe. In einer E-Mail an die Redaktion von Report Mainz habe der Mann eine Securitate-Tätigkeit weder bestätigt noch bestritten.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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