Kultur : Verhältnis zur Farbe

ULRICH CLEWING

"Deutsche Malerei des 20.Jahrhunderts - Ansichten eines Privatsammlers" lautet der Titel der derzeitigen Ausstellung des Leipziger Museums der Bildenden Künste.Niemand weiß, wer dieser Sammler sein mag.Die wenigen Eingeweihten - der Museumsleiter, der Galerist, der die wertvolle Kollektion aufbauen half - schweigen still, und der Kunstfreund, der angeblich in der Nähe von München wohnt, genießt seit vierzig Jahren die Anonymität.Sein Besitz - präsentiert werden 149 Gemälde aus den Jahren 1900 bis 1996 - spricht allerdings eine deutliche Sprache.Hier hat jemand mit Geschmack und Leidenschaft gekauft.Sicher, es sind große Namen vertreten, Kirchner, Heckel, Jawlensky, Beckmann, Otto Dix und Ernst Wilhelm Nay.Doch spürt man gleich zu Beginn des Rundgangs die Privatheit, welche die Sammlung bisher umgeben hat.Zur Farbe muß der Connaisseur ein besonderes Verhältnis haben.So ist es nicht verwunderlich, daß die Gemälde Alexej von Jawlenskys einen Schwerpunkt der Sammlung bilden.Oder Erich Heckel: Der hat auch ganz andere Bilder gemalt, doch die "Dresdner Vorstadt" von 1910 ist ein einziger, lebenspraller Dreiklang aus Blau, Gelb und Grün.Auch auf unbekanntere Maler trifft man, auf den früh verstorbenen Helmut Kolle zum Beispiel.Unter den Malern der Nachkriegszeit ragt Ernst Wilhelm Nay heraus, von dem drei große Leinwände ausgestellt sind.

Für das derzeit in einem ehemaligen Messehaus interimistisch untergebrachte Leipziger Museum ist diese Ausstellung ein Glücksfall.Es ist zwar noch Zukunftsmusik und gegenwärtig reine Spekulation, aber möglicherweise wird diese Sammlung hier irgendwann als Dauerleihgabe, vielleicht sogar als Schenkung einziehen können.Verhandlungen sind bereits im Gange.

Leipzig, Museum der Bildenden Künste, bis 3.Januar.Katalog im Verlag Gerd Hatje 49 DM, im Buchhandel 98 DM.

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