• Verhindertes "Schuh-Attentat": Ein Zimmer, aber kein Gepäck - Warum Richard Reid nach Miami fliegen durfte

Kultur : Verhindertes "Schuh-Attentat": Ein Zimmer, aber kein Gepäck - Warum Richard Reid nach Miami fliegen durfte

Sabine Heimgärtner

Es ist wieder so eine Geschichte, die man nicht glauben mag und an deren glimpflichem Ende sich die Verantwortlichen gegenseitig Versagen vorwerfen. American Airlines beispielsweise beschwert sich bei den Sicherheitsbehörden des Pariser Flughafens Charles de Gaulle, weil diese trotz Hinweisen der Fluggesellschaft nichts getan hätten, um den Schuh-Attentäter am Flug zu hindern. Tatsächlich hatte der 28-jährige Richard Reid alias Abdel Rahim bereits am Freitag versucht, für einen USA-Flug einzuchecken. Wegen seines auffälligen Verhaltens sei er jedoch abgewiesen worden, hieß es. Einen Tag später konnte er dann doch noch für den Langstreckenflug von Paris nach Miami einchecken, obwohl er kein Gepäck bei sich trug. American Airlines bezahlte ihm noch eine Übernachtung in einem teuren Hotel für 600 Mark inklusive drei Mahlzeiten. Es wären seine letzten gewesen, wenn die Stewardess Hermis Moutardier nicht auf den Passagier aufmerksam geworden wäre, als er mit einem Streichholz an seinen Schuhen herumhantierte. Gemeinsam konnte sie ihn mit anderen Passagieren am Zünden des Sprengstoffes hindern und ihn überwältigen.

Die französischen Behörden haben nun die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal erhöht, dabei galten vor allem Flüge in die USA und nach Israel ohnehin seit dem 11. September als besonders "sensibel" und wurden dementsprechend auch genau kontrolliert. Immerhin 100 000 Passagiere durchlaufen den Charles de Gaulle täglich, hundertprozentige Sicherheit erscheint da als nahezu unmöglich. Nun sollen auf Sprengstoff spezialisierte Hunde für mehr Sicherheit sorgen. Bisher hatte der Pariser Flughafen nur zwei, jetzt will man sich weitere 23 bei Polizei und Zoll ausleihen.

Seit Dienstag müssen nun nicht nur in Paris Passagiere mit Reiseziel USA ihre Schuhe auf versteckten Sprengstoff hin untersuchen lassen, sondern auch in anderen europäischen Ländern. In Deutschland würden die Schuhe der Passagiere zum einen von Hand inspiziert, zum anderen mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, sagte ein Mitarbeiter des Grenzschutzpräsidiums in Berlin, Uwe Matlik. Die Beamten begnügten sich nicht nur mit Stichproben, sondern kontrollierten jeden Reisenden in die USA, sagte er. Betroffen von der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahme, die das Bundesinnenministerium verfügte, ist vor allem der Flughafen Frankfurt am Main.

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