Verlag : Nur einen Herbst

Es herrscht Unruhe beim Klett Verlag. Booklett, der Berliner Wissensverlag, steht vor dem Aus.

Gerrit Bartels

Wie schnell die Winde sich drehen können – gerade auch in der Verlagswelt. Erst vor fünf Wochen hatte der vor allem auf Schulbücher abonnierte Stuttgarter Klett Verlag für schöne und positive Schlagzeilen gesorgt, als er sich für seinen literarischen Zweig, den altehrwürdigen Klett-Cotta-Verlag, zwei neue verlegerische Geschäftsführer ins Haus holte, die hoffnungsvollen Berliner Jung-Verleger Tom Kraushaar und Michael Zöllner vom Tropen Verlag (Tsp vom 3. 11).

Jetzt sorgt ein Vorgang bei Klett für Unruhe, der anzeigt, dass hinter den Kulissen des Verlags ein heftiger Machtkampf entbrannt ist. Vergangene Woche kündigte die Klett AG die Zusammenarbeit mit dem kleinen Berliner Wissensverlag Booklett auf. Booklett war von Klett zusammen mit den drei Berliner Lektoren und Mitgesellschaftern Ingke Brodersen, Rüdiger Dammann und Peter Mattheys vor einem Dreivierteljahr gegründet worden. Die Gründung sei eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage auf dem Sachbuchmarkt, hieß es seinerzeit, „Bücher für den Generalisten, nicht für den Spezialisten“ wollte man produzieren. Darunter „Der Klima-Knigge“ von Rainer Grießhammer oder Bahmann Nirumands „Der unerklärte Weltkrieg“ über die Akteure und Interessen im Nahen und Mittleren Osten.

Die Gründe für die Aufkündigung der Zusammenarbeit sind diffus und vermutlich vielschichtig. Laut Philipp Haußmann, Neffe des Firmenoberhaupts Michael Klett und starker Mann bei Klett, habe Booklett nach dem ersten Programm im Herbst dieses Jahres die Erwartungen nicht erfüllt: „Unser Problem mit Booklett war, dass es ein Sachbuchverlag geworden ist, der nur zum Teil Bücher macht, die man im weitesten Sinne als Wissensbücher bezeichnen könnte“, so Haußmann im Branchenmagazin „buchmarkt.de“ über die Beendigung der Zusammenarbeit nach so kurzer Zeit.

Bei Booklett sieht man das naturgemäß anders: „Wo die feinen Unterschiede zwischen Sach- und Wissensbüchern liegen, das will ich gern erklärt bekommen“, so Booklett-Gesellschafterin Ingke Brodersen gegenüber dem Tagesspiegel. „Wir lagen voll in dem von uns gemeinsam mit Klett aufgestellten und auf fünf Jahre angelegten Businessplan. Bis ins Frühjahr 2009 ist unser Programm vorbereitet gewesen.“ Schaden nehmen jetzt vor allem die Autoren und die Bücher, die in diesem Frühjahr veröffentlicht werden sollten und nun auf Eis liegen, darunter ein Doping-Buch von Ines Geipel.

Der tatsächliche Grund für die Klett-Demission aber könnte ein anderer sein, wie auch Brodersen vermutet: Booklett ist nicht von Haußmann, sondern von seinem Vorgänger Uwe Brinkmann erdacht und ins Leben gerufen worden. Brinkmann jedoch wurde im Sommer von Firmenchef Michael Klett nach nur dreimonatiger Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der Klett AG entlassen, laut Brancheninsidern nicht zuletzt, weil er das Aufrücken des Klett-Neffen Haußmann in den Vorstand verhindern wollte. Weitere Abgänge wie die des vorherigen Klett-CottaVerlagsleiters Rainer Just und des Booklett-Mitgeschäftsführers Richard Spies nähren die Spekulationen über ähnliche Querelen und schwierige Nachfolgeregelungen à la Suhrkamp.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Verpflichtung von Zöllner und Kraushaar und der Klett-Cotta-Tropen-Deal in einem neuen Licht. Steht auch diese Zusammenarbeit schon wieder zur Disposition, bevor sie richtig begonnen hat? Haußmann beteuert zwar, beide Vorgänge hätten nichts miteinander zu tun und Kraushaar und Zöllner obliege die volle „Programmhoheit“. Ingke Brodersen aber meint: „An Zöllners und Kraushaars Stelle würde ich mir jetzt Sorgen machen.“ Gerrit Bartels

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