Verlage : Zieht Suhrkamp ins Palais am Festungsgraben?

Kaum hat der Suhrkamp-Verlag mit seinem temporären Edition-Suhrkamp-Laden in der Linienstraße einen ersten, für Aufsehen sorgenden Aufschlag in Berlin gemacht, gibt es schon wieder Gerüchte um sein zukünftiges Domizil.

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Geplant war, dass der Verlag nach einem Übergang von zwei Jahren von der Pappelallee in Prenzlauer Berg ins Nicolai-Haus in der Brüderstraße in Mitte ziehen sollte. So war es von Suhrkamp gewünscht, und dafür hatte sich auch der Berliner Senat eingesetzt.

Allerdings wurden immer wieder Zweifel laut, ob das Nicolai-Haus das Richtige für einen Verlag wäre; ob der Umbau des denkmalgeschützten Hauses von einem ursprünglichen Wohnhaus in ein Bürogebäude sich so schnell und überhaupt bewerkstelligen lassen könnte, ganz abgesehen von der nicht gerade idealen Lage unweit der nur durch ihren Durchgangsverkehr belebten Leipziger Straße.

Jetzt bestätigt Suhrkamps Pressesprecherin Tanja Postpischil, dass der Verlag weiterhin in Verhandlungen mit dem Berliner Senat stehe und eigentlich noch immer auf der Suche sei: „Neben dem Nicolai-Haus schauen wir uns auch andere Immobilien an. Uns wird einiges angeboten. Aber es ist noch nichts unterschriftsreif.“ Zu den Objekten, die der Verlag sich angeschaut hat, gehört offenbar auch das Palais am Festungsgraben, das sich hinter der Neuen Wache neben dem Maxim-Gorki-Theater und dem Deutschen Historischen Museum befindet.

Nachdem das Palais bis zur Wende das „Haus der sowjetischen Kultur“ beherbergt hatte, wird es inzwischen für diverse kulturelle Veranstaltungen (und Hochzeiten) genutzt. Unter anderem befinden sich hier die Tadschikische Teestube und die Saarländische Galerie. Für Suhrkamp interessant wäre das Palais zudem, weil es fast direkt gegenüber der Bertelsmann-Kommandantur liegt. Hier der Großkonzern, der in der Kommandantur Buchveröffentlichungen feiert, dort der Traditionsverlag. Gewissermaßen Kommerzmaschine gegen Literaturmaschine. Oder: Goliath gegen Goliath.

Wo immer Suhrkamp endgültig landet – sicher sei, so Postpischil, dass die Pappelallee nur eine Übergangslösung ist. „Wir suchen in Berlin ein festes Verlagshaus, in der Pappelallee wohnen wir nur zur Miete. Der Wunsch der Verlagsleitung ist nach wie vor das Nicolai-Haus.“ Sicher ist auch, dass ein Suhrkamp-Verlagshaus in Berlin nicht irgendein Haus sein darf, kein Fünfziger-Jahre-Zweckbau wie das einstige Suhrkamp-Haus in der Lindenstraße in Frankfurt. Ein Repräsentationsobjekt muss her, egal wie die Geschäfte laufen. Das glaubt der Verlag sich und seiner Geschichte wohl schuldig zu sein.

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