Verlagswesen : Aufbau-Archiv steht digital zur Verfügung

Das historisch und wissenschaftlich bedeutende Archiv des Aufbau-Verlages kann ab sofort in der Staatsbibliothek zu Berlin von allen Interessierten genutzt werden. Der Verlag war der wichtigste für Literatur in der DDR.

Berlin - Rund 1,2 Millionen Blätter aus den Jahren 1945 bis 1990 - zum Beispiel Korrespondenzen mit Autoren und Manuskripte - seien dazu in den vergangenen beiden Jahren abgefilmt und digitalisiert worden, sagte die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf. Damit ist das Material nun zum einen für die Forschung zugänglich, zum anderen können die empfindlichen Originale geschützt werden.

Einblick gibt es damit nun zum Beispiel in das Manuskript von Christa Wolfs "Kassandra" und Erwin Strittmatters "Der Wundertäter". In einem Schreiben des Zentralkomitees der SED von 1959 wird der Leiter des Aufbau-Verlags, Klaus Gysi, aufgefordert zu erklären, in welchem Arbeitsverhältnis der "polnische revisionistische Literaturkritiker Ranicki" zum Verlag stehe.

Themen für Generationen von Wissenschaftlern

Verleger Bernd Lunkewitz vom Aufbau Verlag sagte, anhand des Archivs könne beispielsweise auch erforscht werden, welche Bücher damals nicht erschienen sind und warum. Das Material biete Themen für Generationen von Wissenschaftlern und Studenten. Ins Internet kann das Archiv aus Urheberrechtsgründen aber nicht gestellt werden.

Kopiert wurden die Blätter vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das sich nur um Unterlagen kümmert, die für das historische Erbe Deutschlands als bedeutsam gelten. Aufbewahrt werden die Mikrofilme im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland, einem Stollen im Schwarzwald, wie der Präsident des Bundesamtes, Christoph Unger sagte. Das Aufbau-Archiv ist das erste Verlags-Archiv, das dort bewahrt wird.

Der 1945 gegründete Verlag war der wichtigste Verlag für Literatur in der DDR. Sein Wirken und seine Entwicklung waren eng verwoben mit gesellschaftlichen und politischen Ereignissen. Finanziert wurde das 240.000 Euro teure Digitalisierungs-Projekt durch den Bund. (tso/ddp)

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