Verlagswesen : Suhrkamp: Mobil bleiben

Der Suhrkamp Verlag zieht in die Berliner Pappelallee - zumindest bis zum Jahr 2012.

Dass der Suhrkamp Verlag nicht sofort Anfang 2010 ins Nicolai-Haus in der Brüderstraße würde ziehen können, davon waren die Verantwortlichen des Verlags wohl schon kurz nach der Verkündigung des Umzugs nach Berlin ausgegangen. Immer wieder hatten sie Vorbehalte angemeldet, immer wieder hieß es, definitiv sicher sei der Umzug von Frankfurt/ Main ins Nicolai-Haus noch nicht. Nun hat man eine Zwischenlösung gefunden: Zwei Etagen des ehemaligen Finanzamts in der Pappelallee 78/79 in Prenzlauer Berg werden der erste Berliner Suhrkamp-Sitz sein, und zwar bis zum Jahr 2012. Dann soll das Nicolai-Haus endgültig bezugsfertig sein.

Schneller als gedacht hat sich der Suhrkamp Verlag also an die Berliner Verhältnisse angepasst und übt sich nun in Nachahmung mobiler Clubs wie dem WMF oder dem 103 im Improvisieren. Die neue Umgebung erscheint dafür bestens geeignet: Nicht weit entfernt von der Pappelallee ist zum einen die Ausgehmeile von Prenzlauer Berg, die Kastanienallee, die Ulla Unseld-Berkewicz und ihre Mitarbeiter vielleicht zu dem einen oder anderen neuen Pop- oder Szene-Buch inspirieren wird. Zum anderen sind auch die neuen, neubürgerlichen Wohnviertel am Helmholtzplatz und am Kollwitzplatz nur ein paar Fußschritte entfernt.

Hier wohnt das Zielpublikum des Verlags, Menschen, die ihre Max-Frisch- und Uwe-Johnson-Bücher im Schrank stehen haben, sich aber auch für neue Literatur begeistern können. Die sich also für Katharina Hacker, Rainald Goetz oder Stephan Thome interessieren, aber auch das bisher unbekannte dritte Tagebuch von Max Frisch über den März 1982 kaufen, das der Verlag, wie er aktuell meldet, im März 2010 veröffentlichen wird. Und damit der Verlag auch einmal dem harten, dem trashigen Leben der Stadt ins Auge blickt, der Berliner Ökonomie sozusagen, dafür sorgen dann die Schönhauser Allee und die Prenzlauer Allee. gbar

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