• "Verlorene Zeit - Berlin 1978-82": Als niemand aufräumen wollte: Berliner Schuttlandschaften

Kultur : "Verlorene Zeit - Berlin 1978-82": Als niemand aufräumen wollte: Berliner Schuttlandschaften

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Es gab eine Zeit, über zwanzig Jahre ist das her, da lag in West-Berlin noch überall Schutt herum. Lauter Gestein, aber auch Reste zusammengesackter Häuserblocks, ein umgestürzter Schornstein oder das durch Gestrüpp verwilderte Rudiment eines Bahngleises. Industrie-Brachen, die keiner wegräumen wollte. Irgendwann würde schon jemand kommen, um die Ruinen wegzuräumen. Ist ja dann auch tatsächlich geschehen. An vielen Orten, wie dem Anhalter Bahnhof oder dem Gelände um das Gleisdreieck, ist von den Schuttbergen nichts mehr zu sehen. Was sehr schade ist, wie Karin Raeck meint: "Auf unseren Fotos hatten wir versucht, die Baufragmente aus der Nachkriegszeit wie die Wunden einer zerbrochenen Stadt erscheinen zu lassen." Im Mittelpunkt habe die Frage gestanden, wie sensibel die Stadt mit der historisch gewordenen Brache umgehen würde. Fünf Jahre lang haben die Land-Art-Künstlerin Raeck und der Fotograf Gary Rieveschl im Westteil der Stadt Baurudimente aufgenommen. Eine Auswahl der gemeinsamen Fotoarbeiten zeigt nun die Ausstellung "Verlorene Zeit - Berlin 1978-82".

Es gehört schon eine gewisse Chuzpe dazu, den scheinbar charakterlosen Schutt so in den Vordergrund zu rücken. So sind die historischen Bauten, wie die Matthäikirche, der Martin-Gropius-Bau oder der Lehrter Stadtbahnhof, gerade noch im Hintergrund auszumachen; oft werden sie von riesigen Schuttbergen verdeckt. Das Areal um den ehemaligen Anhalter Bahnhof dagegen hatte die Künstler besonders durch seine Leere beeindruckt. Hier lag nur wenig Plunder herum. So hätte Raeck das Areal, auf dem zurzeit das Tempodrom errichtet wird, auch heute noch gerne gesehen. Denn auch Schutt, darüber seien sie und Rieveschl sich immer einig gewesen, kann durchaus bildgewaltig sein.

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