Kultur : Veronkelung in Entenhausen

COMICS

Tobias Rüther

Ist Wissenschaft schon deshalb fröhlich, weil sie sich mit Comics beschäftigt? Mitnichten, meint Patrick Bahners , und legt im Literarischen Colloquium am Berliner Wannsee den hermeneutischen Hebel an Dagobert und die Seinen an: Nüchtern im Ton, methodisch streng und tief aus Entenhausener Quellen schöpfend, wie sie dank Carl Barks und seinen Micky-Maus-Heften in der Übertragung von Erika Fuchs auf uns gekommen sind.

Das dunkle Geheimnis der Duck’schen Fortpflanzung sucht Bahners zu erhellen. Die hat Ernst Horst als „Veronkelung" bezeichnet, was dem hauptberuflichen FAZ-Feuilletonleiter und ehrenamtlichen Präsidenten der deutschen Donaldisten aber nicht genügt. Bahners steckt die verstreuten Puzzleteile der Entenhausener Verwandtschaft zusammen: Hier findet er Onkel Willibald Wasserhuhn, der Donald aufzog, auch wenn er eine Mutter hatte. Dort entdeckt er den kleinen Dagobert, schlafend in einer Kommode im Elternhaus. Onkel Jakob Jungerpel nahm den Jungen später zu sich. Kinder, so halten es die notorisch ökonomischen Ducks, zeugt man am besten gar nicht. Falls doch, dann bloß fort mit ihnen – zu Onkeln und Tanten. Hinter der herzlosen Kinderverschickung steckt nach Bahners eine über Generationen gepflegte Erbregel. Die Ducks, ein altes Schottengeschlecht, trennen sauber zwischen Sippe und Verwandtschaft. Donald, der aus einer „Nebenlinie" stammt, wird in die Sippe aufgenommen, weil er sich als würdig erweist. „Die Kunst, als reicher Mann zu sterben: keine Kinder zeugen und alles den Neffen vermachen", schließt Bahners. In Zeiten verschärfter Erbschaftssteuer ist dieser gute Rat teuer.

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