Kultur : Verrucht, verdammt und aufgeknöpft Die „Wild Rose Revue“ im Admiralspalast

Thomas Lackmann

Berlin wär’ gern verrucht. Dass nach Striptease-Kunst-Versuchen in der Bar jeder Vernunft (Cora Frost, Andreja Schneider) und im Casino (Hans-Peter Wodarz) nun auch der Admiralspalast die Prickellücke diesseits von Porno besetzen will, ist eigentlich eine gute Nachricht. Die Trend zur Burlesque-Show kommt aus New York, wo Clubgänger – bevor sie ab ein Uhr zum Dancefloor drängen – mit schrägem Tingeltangel geködert werden. Deshalb wird die „Wild Rose Revue“ im Admiralspalast für 22 Uhr avisiert und beginnt – man beachte das erotische Moment Verzögerung – um 23.15 Uhr. Filmprojektionen an allen Ecken zitieren ruchlose Epochen. Der Burlesque-Bazar bietet neckische Verkleidung. Das Publikum streift, kostümiert, verschüchtert, durch Vorhallen. Im Saal zeigt der gehörnte Conferencier Mr. Devil, dass dieses Format vor allem US-puritanische Verklemmungen bedient: Sein Teufelswitz setzt, bar jeder Ironie, auf platte Macho-Schlüpfrigkeit. Seine Akrobatinnen hangeln, bar jeder Dramaturgie, an Vertikalseil und Trapez. Seine atemlosen Sängerinnen machen nichts aus keiner Stimme. Schattenriss-Strip könnte auf einer Vorstadtkirmes lustig wirken.

Auf der ungenutzten Riesenbühne verliert sich das Gemischtwarenkonzept, auch die gute Band, eine Leinwand für bunten Background sowieso. Die Revue-Inspiratorinnen, eine Schwertschlucker-Schönheit mit Mona-Lisa-Lächeln und eine komische Ausziehprinzessin mit kreisender Propellerbüste, können allein die Nacht der Rosen nicht retten. Dufte geht anders. Thomas Lackmann

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