Kultur : Verschluckt

Panorama (2): „Inside Deep Throat“

Bodo Mrozek

Eigentlich müsste man zuerst „Kinsey“ sehen, den Abschlussfilm der Berlinale über den Aufklärer der Fünzigerjahre (siehe „Sonntag“, Seite 7) . Denn als 1973 „Deep Throat“ in die Kinos kam, zogen Moralisten eine direkte Linie zurück zu Kinsey. Als Ersatzhandlung des Hardcore-Pornos, der sensationellerweise im Kino lief, dient die Geschichte einer Frau, die ihre Klitoris im Hals hat und fortan wie eine Schwertschluckerin agiert. Die Doku „Inside Deep Throat“ taucht nun tief in die Kinogeschichte. Damals bildeten sich Schlangen vor den Kassen. Die Hauptdarstellerin Linda Boreman wurde zeitweilig weltberühmt, Magazine erfanden den „Pornochic“. Mit der 25 000 Dollar-Produktion macht der Mafiaclan der Perainos 600 Millionen. Unerwünschtes Nachspiel: 1976 werden die Perainos und der Hauptdarsteller wegen Verbreitung von Pornografie zu Haftstrafen verurteilt. Linda Boreman wird in den Achtzigern zum Sprachrohr der feministischen „PorNo!“-Kampagne. An dem Kassenerfolg hat sie keinen Cent verdient. Verarmt und vereinsamt stirbt sie bei einem Unfall. Die Dokumentarfilmer Fenton Bailey und Randy Barbato erzählen auf komische Weise ein Stück Sittengeschichte, das eigentlich traurig ist.

Heute, 22.30 Uhr (International); morgen, 22.30 Uhr (Cinestar 7); 15.2., 15.30 Uhr (Colosseum); 19.2., 20 Uhr (CineStar 7)

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