Kultur : Versilbert

Die Londoner Auktionen locken mit Spitzenkunst

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Die Auktionskataloge werden wieder dicker, die Texte schwärmerischer und es gibt Aufklappseiten für die teuersten Werke. Nach den Rekorden für Giacometti und Picasso ist klar, dass sich der Kunstmarkt nach knapper Unterbrechung auf die Fortsetzung der Boomjahre einstellt. In London stehen die umfangreichsten und ehrgeizigsten Auktionswochen seit mehr als 20 Jahren an.

Die Moderne-Auktionen der nächsten Woche sollen neue Maßstäbe setzen, denn der Kunstmarkt wird immer mehr vom Kampf um die Meisterwerke bestimmt, die den Kanon des 20. Jahrhunderts ausmachen. So bietet Christie’s zwei Superlose, die auf je 30 bis 40 Millionen Pfund geschätzt sind – darunter Claude Monets quadratisches Seerosenbild von 1904 aus der Gruppe halb abstrakter Studien aus seinem Garten, die heute als zentral für die Kunst des 20. Jahrhunderts gelten. Der Markt erinnerte sich dieser Werke, als eine Kunstberaterin 2008 mitten in der Krise 40,2 Millionen Pfund für ein größeres und besonders schönes Bild bezahlte. Larry Gagosian, der New Yorker Spitzenhändler, stellte nun mehrere Gemälde für eine Ausstellung in New York zusammen – darunter Leihgaben von Sammlern wie dem Hedgefondsmanager Steve Cohen. Gagosian macht das nicht ohne Grund: 2005 begannen die Russen in diesem Segment zu sammeln, dann kamen die Käufer aus Nahost, und noch mehr wuchsen die Hoffnungen, als ein chinesischer Telefonkäufer im Mai in New York zwei Gemälde von Monet ersteigerte.

Mit einer ähnlichen Prestigeausstellung gibt Gagosian gerade in London dem Picasso-Kult zusätzliche Nahrung. Das Starlos bei Christie’s ist dessen Periode- bleue-Porträt eines Absinthtrinkers, das die Andrew-Lloyd-Webber-Stiftung schon einmal 2006 versteigern wollte, dann aber nach dem Einspruch von Julius Schoeps zurückziehen musste. Schoeps, ein Nachkomme der Mendelsohn-Bartholdy-Familie, die das Bild in den dreißiger Jahren weggab, behauptete, es habe sich damals um einen NS-Zwangsverkauf gehandelt. Nun hat man sich geeinigt, und das Bild kann vom Aufschwung der Preise seit 2006 profitieren. Webber bezahlte 1995 damals hohe 29 Millionen Dollar. Das Porträt des Bohemien und Dichters Angel Fernández de Soto ist harsch in seiner graublauen Monochromie, aber ein zentrales Werk, das den Geist einer ganzen Epoche einfängt. Sotheby’s versteigert am Abend zuvor ein Selbstporträt Edouard Manets aus der Sammlung des Kasinobesitzers Steve Wynn. Es war 1958 in der legendären Versteigerung der Sammlung Jakob Goldschmidt, in der sich zum ersten Mal moderne Kunst im Preisniveau vor die Alten Meister setzte und soll nun 20 bis 30 Millionen Pfund kosten.

Es gibt noch viele andere Stars. Allein die Christie’s-Abendauktion hat ein Schätzvolumen von 160–230 Millionen Pfund, und auch bei den Contemporary- Auktionen vom 28. Juni bis zum 1. Juli wird das Angebot spürbar ehrgeiziger. Vor allem bei Sotheby’s pflegt man den neuen Rummel um die ZERO-Kunst. Zu den Spitzenlosen gehören Yves Kleins Schwammbild aus der Sammlung der Hypovereinsbank (4,5/6,5 Mio. Pfund) und ein grünes „Fine di Dio“ von Lucio Fontana (4,5/5,5 Mio. Pfund). Gerhard Richters vor 17 Jahren für 320 500 Pfund ersteigertes Querformat „Neger“ soll 3,5–4,5 Millionen kosten. Star bei Christie’s ist die auf acht Millionen Pfund taxierte „Silver Liz“ von Warhol. 2009 wurde ein Diptychon mit Liz Taylors Porträt für 18,3 Millionen Dollar versteigert, davor brachte eine Version aus dem Besitz von Filmstar Hugh Grant 23,6 Millionen Dollar. Mal sehen, wie nahe der Preis diesem Topniveau nun wieder kommt.

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