Kultur : Verwischte Nahsicht

PETER HERBSTREUTH

Privatinitiativen im Bereich zeitgenössischer Kunst nehmen zu.Ein weiteres Beispiel ist die Eröffnung des "Kunsthaus Berlin" mit einer Ausstellung über Malerei aus Israel, in der Werke von achtzehn Künstlern gezeigt werden.Es sei, so die Veranstalter, die größte Kunstausstellung, die anläßlich des 50jährigen Staatsjubiläums Israels in Berlin stattfinde.

Die Ausstellung besteht maßgeblich aus der Sammlung von Willy Asperger und Rainer Höcherl und bietet mit Malerinnen und Malern, die seit den fünfziger Jahren offenbar prägend waren, einen Überblick über die Malerei in Israel.

Der Kurator hat zusätzlich fünf Berliner Künstler mit israelischem Paß integriert.Rivka Rinn, die mit Kamera überall auf der Durchreise ist und ihre Fotos "reißt", die Nahsicht verwischt, die Ferne scharfstellt, um den Bildern Tempo zu leihen und sich selbst in steter Bewegung zu zeigen.Varda Getzow, der mit dickem Pinsel und ökonomischem Strich Figuren genau zu jenem kritischen Punkt bringt, wo sie noch nicht benennbar, aber schon nicht mehr zufällig erscheinen.Gary Goldstein, der aus dem Figurenfundus der Comics Zeichnungen und Kleinstskulpturen modelliert.

Doch nachdrücklich bestimmt wird die Ausstellung auf drei Etagen von gestischer, abstrakter, zeichenorientierter Malerei, die ihre Väter im New York der vierziger und fünfziger Jahre hat.Moshe Gershuni, Ravi Lavie, Yehudit Levin, Lea Nikel, Yehiel Shemi, Aviva Uri und am vorbildlichsten wohl Moshe Kupfermann sprechen die Sprache, die einst als Weltsprache bezeichnet wurde.Dabei fällt auf, daß die Derivate der Abstraktion lokale Akzente suggerieren.Sie liegen in der Temperatur der Farbe, der Handschrift des Malers und seiner Geschichte und evozieren bei Kupfermann, Gabi Klasmer und Tamara Rikman mentale Bilder, die nicht vor Augen sind.

Für das Kunsthaus bedeutet die repräsentative Schau einen gesellschaftlich geglückten Einstand.Das Kunsthaus wird von der "Friedrich Foundation" getragen.Doch eine Stiftung im rechtlichen Sinne sei die Foundation nicht, heißt es auf Anfrage.Der Initiator Alfred Friedrich finanziert das Haus maßgeblich selbst.

Als Institution soll es eigenständig, frei und subventionsunabhängig bleiben.Friedrich hat das viergeschossige Klinkergebäude, das 1896 für die Neue Photographische Gesellschaft gebaut worden war, zum Ausstellungs- und Atelierhaus umbauen lassen; es verfügt, so Friedrich, über 1 300 qm Nutzfläche für jegliche Art von Events und Präsentationen.

Im Anschluß an "Positionen Israel" ist eine Ausstellung mit kubanischen Künstlern in Zusammenarbeit mit dem Museum Ludwig in Aachen beabsichtigt, und man verhandelt noch über eine Schau mit Kunst aus Argentinien.Der künstlerische Leiter Peter Funken, der auch die Organisation von "Positionen Israel" besorgte, will eng mit der Stiftung Peter Ludwig kooperieren und dabei auch der Präsentation der Sammlung Wilhelm Schürmann den Weg nach Berlin schmackhaft machen.Begleitveranstaltungen sollen jede Ausstellung inhaltlich vertiefen.Das Gebäude sei groß genug, so Alfred Friedrich, um während der Kunstausstellungen auch andere Aktivitäten zu erlauben.Was ihm also vorschwebt, ist ein weltoffenes Haus, in dem die Kunst als Einladung dient, Leute zu versammeln.

Kunsthaus Berlin-Steglitz, Nicolaistraße 14, Mittwoch 17 bis 21 Uhr, Sonnabend und Sonntag 14 bis 19 Uhr.Katalog 36 DM.

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