Kultur : Verzockt

Der Glücksspiel-Thriller „Runner Runner“.

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Auf 33 Milliarden Dollar wird der Markt der illegalen Online-Kasinos geschätzt, wo Spielsüchtige aus aller Welt ihr oft nur spärliches Vermögen verspielen. Wer allerdings aus dem Thema einen kinotauglichen Film erschaffen will, muss sich etwas Besonderes einfallen lassen. Denn anders als die glitzernde Welt real existierender Spielkasinos oder der düstere Charme verqualmter Pokerrunden ist das Glücksspiel, filmisch gesehen, nicht unbedingt sexy.

Regisseur Brad Furman setzt auf eine prominente Besetzung und die Zauberlehrling-Dramaturgie. Princeton-Student Richie (Justin Timberlake) hat auf einer Poker-Website seine Universitätsgebühren und damit seine Zukunft verspielt – und fliegt nach Costa Rica, wo er den milliardenschweren Betreiber eines Online-Kasino-Imperiums, Ivan Block (Ben Affleck), zur Rede stellen will. Block aber erkennt in dem Querulanten sofort den begabten Zocker, macht Richie zu seinem Novizen und weist ihn in das raue Geschäft des illegalen Glücksspielwesens ein. Wenn da nur nicht das FBI wäre, das sich ebenfalls für Richies Qualitäten interessiert.

Und der Zauberlehrling? Furmann zeigt am Beispiel seines jungen Helden, wie schwer es ist, die Geister, die man wachgerufen hat, auch wieder loszuwerden. Justin Timberlake macht seine Sache als ambitionierter Nachwuchsspieler recht überzeugend – und auch Ben Affleck ist als undurchsichtiger Spielbankbetreiber, der seine Gegner schon mal an Alligatoren verfüttert, gut besetzt. Keine Frage, der Film müht sich, dramaturgisch stets ein neues Ass aus dem Ärmel zu ziehen und mit immer höheren Einsätzen zu spielen, doch der Plot bleibt in seiner Grundausrichtung allzu vorhersehbar. So verliert sich schon bald das eigentliche Thema des Internetglücksspiels, und „Runner Runner“ macht es sich einer durchschnittlichen Krimihandlung bequem. Und im moralisch korrekten, aber wenig überraschenden Ende eines Fights, in dem Klein-David dem Mafia-Goliath gegenübersteht. Martin Schwickert

In 16 Berliner Kinos

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