Kultur : Vibrierender Körper

KLASSIK

Frederik Hanssen

Marin Alsop, die New Yorker Dirigentin, und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin hatten 2001 schon einmal zusammen gearbeitet und beschlossen damals, die flüchtige Begegnung zu vertiefen. Weil im Musikbusiness alles lange im Voraus geplant wird, kam es erst jetzt zum zweiten Treffen. Die Proben müssen perfekt verlaufen sein. Beim gemeinsamen Auftritt im Konzerthaus jedenfalls vibriert der Klangkörper des RSB geradezu, und auch Mrs. Alsop fühlt sich hörbar wohl. Ob ihr das Orchester in Edward Elgars „Enigma“-Variationen gentlemanlike mit einem ganz besonders üppigen, samtig-warmen Klang entgegenkommt, oder ob die Dirigentin diesen glorious sound aus den Musikern herauskitzelt – für die Zuhörer ist das Ergebnis Freude pur. Marin Alsop genießt es, von den orchestralen Massen umtost zu werden. Dank ihrer präzisen Schlagtechnik stoppt sie aber haarscharf vor der Kitschgrenze, behält auch im emotionalen Gewühl stets den Überblick.

Nach dem Intermezzo von Carl Nielsens Flötenkonzert, von Ulf-Dieter Schaaf mit exquisitem Ton versilbert, wird Dvoraks neunte Sinfonie wiederum zum Erlebnis: Nicht, dass der Kenner hier neue Einsichten in die „Neue Welt“ gewönne – doch die Leuchtkraft der Farben, die das auf absolutem Spitzenniveau spielende RSB entfaltet, ist schier berauschend.

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