Kultur : Video-Installation: Der dokumentarische Blick

Katja Reissner

Die Berliner Künstlerin Bettina Allamoda präsentiert in ihrer aktuellen Ausstellung eine Video-Installation mit den Shows einiger bekannter Modedesigner und -labels wie Chanel oder Paco Rabanne. Allamoda hatte während eines Stipendiatenaufenthaltes in Paris im letzten Herbst die Präsentation der Sommerkollektion 2001 gefilmt. Wären ihre Aufnahmen das Material von echten Modefotografen, der Unterschied würde kaum auffallen: Allamoda versteht ihren dokumentarischen Blick jedoch als Teil eines laufenden Projektes, in dem es ihr darum geht, Architektur, Kunst, sowie angewandte Bereiche von Interieur, Mode und Design nicht als getrennt zu begreifen, sondern ihr Aufeinandertreffen in einer soziologisch umfassenden Gesamtperspektive zu untersuchen.

Allamoda projiziert das Video auf eine Raumskulptur, die dem geschwungenen Baukörper des Pariser UNESCO-Gebäudes von 1958 nachempfunden ist. Es ist ein heute vernachlässigter Komplex, dessen Architektur einst noch Fortschrittlichkeit und ästhetischen Anspruch ausdrückte. Inzwischen zeugt er von einer Moderne, die heute nur noch als Kulisse dient. Versatzstück dieses Ambientes ist die Kunst im öffentlichen Raum, die das Gebäude umgibt: Kunstwerke der fünfziger bis sechziger Jahre, die das Gebäude umgeben, wie etwa einem Mobile von Alexander Calder und einer Skulptur von Henry Moore. In Schriftsequenzen, zwischen den Modevideos eingeblendet, erscheinen die zugehörigen Künstlernamen und Titel der Kunstwerke, als wollten sie das abgenutzte und verbrauchte Potenzial erneut beschwören.

Nicht ganz nachzuvollziehen ist, warum die Künstlerin als gemeinsames Motiv der von ihr dokumentierten Orte eine durch koloniale Züge geprägten Ästhetik ausmacht, auch wenn Modenschauen im so genannten "arabischen Haus", das ebenfalls Ort für Modenschauen war, einen gewissen Exotismus im Ambiente hervorbringen. Hier klingt eine Ideologiekritik an, die sich als Falle für den anfangs neutral gehaltenen Filter erweisen könnte, an den Allamoda sich eigentlich hält. Eine weitere Falle: Allamoda prägt ihr Material zu wenig und droht so zum Agenten des Modebetriebes zu werden, anstatt die Differenz der Kunst intervenieren zu lassen. Man denke an eine ihrer Installationen zum Optischen Museum von Zeiss, Jena, zurück: Da setzte sie eine Raumskulptur als Projektionsfläche, die eine solche Differenz schuf.

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