Kultur : Viel Glück!

Museums-Generaldirektor Schuster verabschiedet

Bernhard Schulz

„Welch ein Tag! Welch ein Ort! Welch ein Anlass!“, zitiert Kulturstaatsminister Bernd Neumann gleich zum Auftakt seiner Verabschiedung Peter-Klaus Schusters als Generaldirektor der Staatlichen Museen Berlin den Geehrten. Allen Anwesenden beim gestrigen Festakt im unbeheizten Rohbau des Neuen Museums klingt die Rede noch im Ohr, mit der Schuster im Frühjahr Klaus-Dieter Lehmann als Präsident der die Museen tragenden Stiftung Preußischer Kulturbesitz verabschiedet hatte. Das Thema ist angeschlagen: „PKS“, wie er sich nennt, als Rhetor, als begnadeter Redner der Museen, als Mann, der wie kein Zweiter seiner Generation die „Doppelbewanderung gleich zweier Massive, der Kunst und der Literatur“ bewältigt habe, wie Schusters Münchner „Generals“-Kollege Reinhold Baumstark griffig formuliert.

In Theodor Fontanes „präzis kalkulierender Artistik“ – so Schusters Befund – habe dieser seine eigene Rhetorik angesprochen, legt Horst Bredekamp von der Humboldt-Universität nach. Acht Redner an einem einzigen Vormittag, das muss man goutieren wollen, da nimmt das Auditorium auch den neunten hin, der sich selbst auf die Rednerliste setzte: Berlins Regierenden Klaus Wowereit. Er übergibt als Abschiedsgeschenk der Lottostiftung Berlin und der Kulturstiftung der Länder ein wundervolles Gemälde des Klassizisten Gottlieb Schick an die Alte Nationalgalerie, deren Chef der Geehrte in Personalunion war.

Schuster wäre nicht Schuster, würde er das Motiv „Bildnis eines Jünglings“ nicht als Anspielung verstehen, kommt er selbst doch von der älteren Kunst her, von Dürer, dessen rätselvoller „Melencolia 1“ er ein hochbedeutendes Buch gewidmet hat, und der „Kunst um 1800“, die er als Assistent an der Hamburger Kunsthalle unter seinem Mentor Werner Hofmann in Forschung und Ausstellungspraxis kennenlernte.

„Sie werden uns fehlen“, schließt Neumann seine gutgelaunte Rede, „auch mir, der ich von Ihnen gelernt habe, dass Reden über Kunst noch schöner sein kann als die Kunst selbst.“ Nun, in dieser Fähigkeit wird PKS sich auch weiter üben können, wenn es ihm auch nicht vergönnt ist, das Neue Museum, das die Festversammlung schon einmal begucken darf, im kommenden Jahr wiederzueröffnen. Schusters 65. Geburtstag vor drei Wochen bedeutete unerbittlich das Ende der Dienstzeit nach neun Jahren als „General“, 20 Jahren in Berlin und 31 Jahren an deutschen Museen überhaupt, in Hamburg, Nürnberg, München und eben hier. Die Eröffnung des Chipperfield-Umbaus im kommenden Jahr bleibt Nachfolger Michael Eissenhauer vorbehalten, dessen „Regierungserklärung“ am Schluss des zweieinhalbstündigen Marathons ein wenig untergeht. Auf sie wird später zurückzukommen sein – wenn die Abschiedsfanfaren für PKS verklungen sind. Er geht ans Getty Center in Los Angeles, Wowereit machte es öffentlich: Danke und Good luck! Bernhard Schulz

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