Kultur : „Viele glauben, Kinder seien eine Belastung“

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Es war schon vor der Geburt meines zweiten Kindes klar, dass mein Mann und ich uns trennen würden. Am Anfang hat mich die Aussicht, meine beiden Kinder allein großzuziehen, erschreckt. Aber jetzt bin ich mit meinem Leben zufrieden. Es entgeht einem etwas, wenn man keine Kinder hat. Ich wollte aber trotzdem unbedingt wieder arbeiten, um nicht nur über Windeln nachzudenken.

Mutter oder Karriere – das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Dass es immer weniger Kinder gibt, finde ich aber erschreckend. Ich frage mich oft, wer für mich aufkommen wird, wenn ich alt bin. Darauf, dass meine Kinder mich auffangen, will ich mich nicht verlassen. Dazu habe ich sie schließlich nicht in die Welt gesetzt. Man muss eine private Vorsorge treffen, um als alter Mensch nicht unterhalb der Armutsgrenze zu leben. Das kann ich mir aber als alleinerziehende Mutter nicht leisten. Deshalb hoffe ich, dass es wirklich mit einer Betriebsrente klappt. Aber ich habe dabei kein sicheres Gefühl.

Unter meinen Bekannten gibt es viele, die keine Kinder bekommen, weil sie ein Baby als Belastung sehen. Sie haben Angst, dass es ihnen den Spaß am Leben nimmt. Die sinkende Geburtenrate ist also nicht nur ein Finanzproblem. Deutschland müsste insgesamt kinderfreundlicher werden. Zum Beispiel sollten Mütternotdienste eingerichtet werden, für den Fall das Alleinerziehende ins Krankenhaus müssen. In meinem Wohnort Eschborn in Hessen wird schon einiges für Familien getan. Wie viele andere Eltern bin ich dorthin gezogen, weil die Stadt so kinderfreundlich ist. Zum Beispiel sind die Kita-Plätze kostenlos. Beim Familientag in Berlin war Eschborn die einzige Stadt, die von einer Familie repräsentiert wurde: Von meinen Kindern und mir. Wir hatten uns beworben und waren im Losverfahren ausgewählt worden.

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