Kultur : Viermal Franz

Eckart Schwinger

In seiner ebenso humorigen wie hochkultivierten Präsentation bereitete das BSO-Konzert mit Friedemann Layer viel Spaß. Die Genres, Stile, Kontraste purzelten fröhlich durcheinander: Auf Lehárs Ouvertüre zur Operette "Wiener Frauen" folgte Franz Schrekers Kammersinfonie, auf Franz von Suppés "Galathée"-Ouvertüre Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5! Unschwer zu erraten, dass dieser Abend im Konzerthaus-Zyklus "Populär? Elitär?" über die Bühne ging.

Viermal Franz - das bedeutet allerdings nicht, dass die Gegensätze unversöhnlich aufeinander prallten. Die Vier sind zwar nicht miteinander verwandt, kennen aber allesamt die klassischen Wiener Spielregeln - und können einen ureigenen Wiener Tonfall nicht verleugnen. Schubert schon gar nicht! Seine mozartische B-Dur-Sinfonie wurde vom BSO mit allen klangsprachlichen Finessen und auch einigen eigenwüchsigen Akzenten im Menuett genußvoll serviert. Wobei der gebürtige Wiener Friedemann Layer alles auf sehr dezente Weise mit Charme und Witz in Gang setzte. Wienerisches Kolorit blitzte auch bei den Operettenouvertüren auf, die, bei aller Lust am Leichten, in ihren individuellen instrumentalen Farbreizen und rhythmischen Pikanterien über die Bühne wirbelten.

Schrekers außerordentlich klangsinnliche Kammersinfonie wurde, was kaum bekannt ist, vom Komponisten auch in einer Bearbeitung als Sinfonietta vorgelegt. Hier aber erklang sie in der erweiterten Besetzung, sogar mit der ominösen Posaune, deren Existenz das Programmheft ausdrücklich verneint. Das war nach dem "Fernen Klang" an der Staatsoper ein reizvoller sinfonischer Schreker-Nachklang im Konzerthaus, zumal auch Friedemann Layer und das BSO eine mustergültige Leistung vollbrachten. Sie kosteten Schrekers atmosphärische Schwebeklänge, seine schillernden Farbmischungen, seinen ganzen artistischen Zauber bis zur Neige aus.

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