• VIKTOR BODÓ INSZENIERT„Schock“ und „Erlebnisministerium“: Verschrotten und verscherbeln

VIKTOR BODÓ INSZENIERT„Schock“ und „Erlebnisministerium“ : Verschrotten und verscherbeln

Sandra Luzina

Im Mai war Viktor Bodó mit seiner international gefeierten Kafka-Radikalbearbeitung „Gehacktundverschwunden“ im Hebbel am Ufer zu sehen. Nun kehrt der Shooting Star aus Budapest nach Berlin zurück – und ist gleich in einem Double-Feature zu erleben. Mit seinem wild-gewitzten Bildertheater begeistert der 29-jährige Regisseur die Zuschauer über alle Sprachgrenzen hinweg.

Bodó kombiniert Schauspiel, Tanz und Musik und scheut auch nicht vor Kung-Fu-Einlagen zurück. Seine Bühnen-Extravaganzas sind Sternstunden des schwarzen Humors. Bodó versteht sich auf die Kunst, das Schwere leicht zu nehmen – das beweist auch seine Inszenierung „Schock“ (Foto), die für das kleine Móricz Zsigmond Theater in der Grenzstadt Nyiregyháza entstanden ist. „Schock“ bezieht sich unmittelbar auf die Lebensrealität im ukrainisch-ungarischen Grenzgebiet: Das Stück spielt in einer Autowerkstatt, wo Prostituierte und Enteignete sich ein wüstes Stelldichein liefern, auch die ukrainische Mafia ist mit von der Partie. Es wird verschrottet und verscherbelt, was das Zeug hält. Bodó verbindet Absurdes und Reales und schafft so eine Gradwanderung zwischen Tragik und Irrwitz.

Vom Schrottplatz geht’s dann gleich ins „Erlebnisministerium“. Für das Hebbel-Theater richtet Bodó einen theatralen Parcours ein. Die Zuschauer können durch den „Flur der Banalitäten“ oder das „Labyrinth der Bürokratie“ wandern und dürfen auch selbst ein Amt übernehmen. Für drei Tage wird hier die fröhliche Anarchie ausgerufen. Sandra Luzina

„Schock“: Haus der Berliner Festspiele, So 17.6., 20.30 Uhr (Premiere), Mo/Di 18./19.6., 20.30 Uhr, 10/15 €, erm. 6 €; „Erlebnisministerium“: HAU 1 Mi-Fr 27.-29.6., 19 u. 20.30 Uhr, 10 €, erm. 6 €

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