Kultur : Villa Grisebach: Mein lieber Mann! - Eine erfolgreiche Frühjahrsauktion

Markus Krause

Kunstkauf ist ein Akt der Lebensfreude. Dieser wenig originelle Werbespruch hat bei der Frühjahrsauktion der Villa Grisebach seine schönste Bestätigung erfahren. Mit so viel Begeisterung und Leidenschaft ist in Berlin lange nicht mehr gesteigert worden. Lange Bietgefechte und zum Teil sensationelle Preissteigerungen prägten vor allem den Abend mit den Werken des 20. Jahrhunderts. Zum Schluss waren über 80 Prozent der angebotenen Stücke verkauft und die Zuschläge lagen weit über der Gesamtsumme der veranschlagten Schätzpreise.

Als spektakulärer Ausreißer erwies sich Liebermann mit seinem 1911 im Sommerdomizil gemalten "Tennisplatz in Nordwijk". Mehrere Bieter trieben den Preis, der ursprünglich bei 600 000 Mark gelegen hatte, hoch und höher, bis das Bild einem Berliner Privatmann für sage und schreibe 2,3 Millionen Mark zugeschlagen wurde. Eine solche Summe dürfte in absehbarer Zeit kaum noch einmal für ein Werk des Berliner Impressionisten erzielt werden. Gleichwohl war das Ergebnis symptomatisch für die Veranstaltung: Am Markt orientierten sich nur wenige Käufer. Was zählte, war die Schönheit der Bilder, die man erwerben wollte. Selten, so scheint es, war die Bereitschaft von privater Seite so groß, das Geld für Kunst auszugeben wie heute.

Kein Wunder, daß die Händler kaum zum Zuge kamen. Zu welchem Preis sollten sie auch die Bilder verkaufen, die ihre Taxen oftmals verdoppelten? Heinrich Vogelers "Mädchen mit Katze" kletterte von 180.000 auf 360.000 Mark (Rheinland privat), Liebermanns "Korbflechter" von 50 000 auf 130.000 Mark (Israel privat), Feiningers frühes "Stillleben" von 70 000 auf 150.000 Mark (Rheinland privat). Heckels Farbholzschnitt "Fränzi liegend" wanderte für 310.000 Mark in eine amerikanische Sammlung (180.000 Mark), Kirchners aquarellierte Straßenszene für 120.000 Mark in die Schweiz (50.000 Mark), Arnold Topps "Verlassene Stadt" stieg von 50 000 auf 135.000 Mark (Hessen privat), Hofers Aquarell eines Harlekins erntete 125.000 statt 60.000 Mark (New York privat). Dass zwei der höchstdotierten Werke unverkauft blieben, Noldes "Madonna mit Blumen" (500.000 Mark) und Schmidt-Rottluffs "Stillleben mit Stranddistel" (850.000 Mark), fiel kaum ins Gewicht. Einzig die Kunst nach 1945 hätte besser laufen können: Einzig Werner Tübkes "Dorf an der Küste" war echter Erfolg beschieden. Es ging - gegen Gebote von Richard von Weizsäcker - für 75.000 Mark in eine deutsche Privatsammlung (25.000 Mark).

Mehr als zufriedenstellend verlief auch die Foto-Auktion, wenngleich die Verkaufsquote hier insgesamt niedriger lag als bei der bildenden Kunst. Die Stars der Veranstaltung waren Lucia Moholy-Nagy und Gerrit Rietveld mit ihrem Foto "Haus Lommen in Wassenaar", das einem amerikanischen Bieter mit 30.000 Mark fast die dreissigfache Schätzung wert war. Deutsche Sammler ergatterten etwa Leni Riefenstahls Stabhochsprung-Foto von der Olympiade 1936 für 6200 Mark (2800 Mark) und Willy Maywalds Porträt von Tamara de Lempicka für 9500 Mark (2000 Mark). Doch auch der Handel hatte Fortune. Hugo Erfurths Kokoschka-Bildnis bezahlte ein amerikanischer Händler weit über der Schätzung mit 18.000 Mark (2000 Mark), und auch Dora Maars Picasso-Porträt schien dem britischen Handel mit 32.000 Mark (25.000 Mark) eine lohnende Investition zu sein. Ein Ende der Preisspirale ist bei der Fotografie noch lange nicht abzusehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben