Virtuelles Orchester : Die Pläne der Philharmoniker für 2011/ 12

Die Berliner Philharmoniker präsentieren sich bei Facebook und Twitter - und machen nebenbei auch noch Musik.

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Ein paar mehr Sätze zur Musik hätten es schon sein dürfen an diesem gleißend heißen Montagmittag in der Philharmonie. Jahrespressekonferenz der Berliner Philharmoniker – und nur die Verpackung ist wichtig: das neue corporate design (das praktikabel sein mag, in Farbgebung und Grafik aber an giftig überbelichtete Filmschnipsel erinnert), der Ausbau der Digital Concert Hall, die Präsenz auf Facebook (aktuell 200 000 „Freunde“) und Twitter, das Streamen von Konzerten im Kino, die Zukunft mit 3-D, die Trademark Silvesterkonzert. Herzlichen Dank für dieses kostenlose Musik-Marketing-Seminar!

Allerdings gab es noch einen zweiten erwartbaren Schwerpunkt: die Verlagerung der Osterfestspiel- und Opernaktivitäten des Orchesters von Salzburg nach Baden-Baden. Andreas Mölich-Zebhauser, Intendant des Baden-Badener Festspielhauses, thronte mit stolzgeschwellter Brust in der ersten Reihe, Intendant Martin Hoffmann rekapitulierte noch einmal alle bekannten Details der wenig ersprießlichen Angelegenheit, und Simon Rattle schickte immerhin einen Dankesgruß an den so schmählich im Stich gelassenen Peter Alward. Wie dem auch sei: Die „Carmen“ findet wie geplant 2012 in Salzburg statt, über den „Parsifal“ 2013 befindet man sich in Auflösungsverhandlungen, und in Baden-Baden werden die Philharmoniker dann ab 2013 vier Opernvorstellungen spielen sowie jede Menge Kammermusik und Education-Projekte. Wobei man sich fragt, warum die Jugend des properen Ländles ausgerechnet von den Berliner Philharmonikern musikalisch wachgeküsst werden soll. Weil mir alles könnet außer Hochdeutsch? Vor allem gut bezahlen?

In Berlin vollenden die Philharmoniker ihren Mahler-Zyklus (flankiert durch Werke von Tallis und Lachenmann), die 1890er Jahre rücken in den Fokus (Bruckner, Strauss, Schönberg, Hugo Wolf), Luciano Berio und Edward Elgar werden gewürdigt, und neben der konzertanten „Carmen“ unter Rattles Leitung wird es eine konzertante „Walküre“ geben. Hans Küng schreibt das Libretto zu einem Oratorium („Weltethos“ von Jonathan Harvey), und der pianist in residence heißt Murray Perahia. Mit „Late Night“ wird eine neue Reihe ins Leben gerufen (22 Uhr 30, zehn Euro), zu den Gastdirigenten gehören Donald Runnicles, Christian Thielemann, Seiji Ozawa, Andris Nelsons und Pablo Heras-Casado, und das Tanz-Projekt in der Arena wird diesmal von Sasha Waltz betreut. Reisen führen u.a. nach New York, Wien, Paris und nach Asien. Eigentlich genug Stoff, um ein schönes großes inhaltliches Fass aufzumachen.

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