"Vision Kino 06" : Kongress für Medienkompetenz von Schülern

An deutschen Schulen herrscht flächendeckend noch immer weitgehend Fehlanzeige in Sachen Filmkunde. Ein Berliner Kongress sucht nach Wegen, diesen "strukturellen Skandal" zu überwinden.

Berlin - Deutschland brauche eine bildungspolitische Anstrengung, um die strukturellen Defizite zu überwinden, sagte Thorsten Schilling, Leiter des Multimedia-Fachbereichs der Bundeszentrale für politische Bildung. Der zweitägige Kongress "Vision Kino 06 - Film Kompetenz - Bildung" findet in Berlin statt und soll in dieser Hinsicht eine Aufbruchsstimmung erzeugen. Schon der Vorgängerkongress "Kino macht Schule" hatte vor drei Jahren eine erfreuliche Bilanz erzeugt. Damals verabschiedeten die Teilnehmer eine "Filmkompetenz-Erklärung", die in der Forderung gipfelte: "Der Umgang mit dem Medium Film muss stärker in den Curricula von Schulen, Universitäten und Fortbildungsstätten vertreten sein."

Ein weiteres Ergebnis war die Gründung von "Vision Kino", dem Netzwerk für Film- und Medienkompetenz. Diese Institution mit Sitz in Potsdam setzt sich seit eineinhalb Jahren dafür ein, Heranwachsende selbstbewusster und kritischer zu machen im Umgang mit Film und Medien. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Schulkinowochen, ein jährliches bundesweites Angebot zur Filmbildung, bei dem das Kino quasi zum Klassenzimmer wird. Dort können Schüler zu ermäßigten Eintrittspreisen wertvolle Filme sehen, die auf den Einsatz im Unterricht abgestimmt sind.

Von Projekten aus Nachbarländern lernen

Auf dem Kongress wurde jedoch nicht nur lamentiert. Die mehr als 200 Teilnehmer - Pädagogen und Filmemacher, Kulturschaffende und Kinobetreiber - diskutierten auch über viel versprechende Projekte und neue Ansätze sowie Erfahrungen französischer und niederländischer Einrichtungen zur Filmbildung. Einen mutigen Vorstoß unternahm der Medienpädagoge und Schauspieler Martin Ganguly, der seit 2004 ein Pilotprojekt beim Kinderfilmfest/14plus der Berlinale leitet. Mit Blick auf das schwache Abschneiden deutscher Schüler beim europäischen Pisa-Test schlug er vor, den Schülern statt bequemer deutscher Synchronfassungen mehr Filme im Original mit Untertiteln zu zeigen: "Die Schüler können sich so besser in die fremde Sprache hineinhören und die Dialoge trotzdem mitlesen."

Für kontroverse Diskussionen sorgte auch Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, dessen erster Spielfilm "Das Leben der Anderen" für das Rennen um den fremdsprachigen Oscar vorgeschlagen wurde. Donnersmarck, der als Kind "nie mit der Schule ins Kino gegangen ist", forderte: "Im Deutschunterricht sollte der Film mindestens den Stellenwert haben wie die Literatur." Die Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck widersprach vehement und warnte vor einem Verdrängungswettbewerb: "Wir dürfen die Kultursparten nicht gegeneinander ausspielen." (tso/ddp)

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