Kultur : Völker, hört die Töne

Young Euro Classic zwischen Armenien und der Türkei.

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Wer, wenn nicht Beethoven, sollte die beiden Völker verbrüdern? Wenn auch nur für einen Moment in einem Konzertsaal in Berlin. Zumindest ist an diesem Abend von Spannung zwischen der Türkei und Armenien nichts zu spüren. Das musikalische Friedensmodell des West-Eastern Divan Orchestra macht weltweit Schule. Ein konstruktiver Trend. Hier kommt das Festival-Thema „Von Europa in die Welt“ zur Geltung. So weist das Werk „Esintiler“ des Türken Ferit Tüzün, der eine westliche musikalische Ausbildung genoss, verwunderlich wenige Momente traditioneller türkischer Musik auf. In „Enzeli“ aus den Yerevanian Etudes op. 30 dagegen zelebriert der ebenfalls westlich geschulte Armenier Alexander Spendiaryan den armenischen Volkston. Hier zeigt sich, wie heimisch diese jungen Musiker in zwei unterschiedlichen Klangwelten sind. Denn nicht nur die orientalischen Modi und Rhythmen verleihen diesem Werk seinen authentischen Charakter, sondern auch der intensivere Streicherklang und das trockenere Timbre der Bläser.

Bei Beethoven klingt das ganz anders. Hier entfalten die Streicher einen silbernen Klang, der eine glasklare Artikulation zulässt selbst bei den rasenden Tempi, die der Dirigent Cem Mansur in der Vierten Symphonie anschlägt. Diese legen zwar den Blick auf die große Linie frei, doch verschütten sie essenzielle kontrapunktische Strukturmomente.

Elegant und zärtlich der armenische Pianist Ashot Khachatourian in Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-moll: Auch er setzt auf Tempo, konzentriert sich auf den großen Bogen, dass man Motivfiguren und Arpeggio-Kaskaden fast nur noch als Beiwerk wahrnimmt. Barbara Eckle

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