Volksbühnen-Logo : Rettet das Rad!

Die Volksbühnen-Truppe will zum Ende der Ära Castorf ihr Wahrzeichen mitnehmen. Aber ist das Rad mit den Füßen nicht längst nationales Kulturgut? Ein Kommentar.

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Die Rad-Skulptur vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz soll zum Ende der Ära Castorf verschwinden.
Die Rad-Skulptur vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz soll zum Ende der Ära Castorf verschwinden.Foto: Tim Brakemeier/dpa

Was gibt es nicht alles für Bürgerinitiativen in Berlin, hier ist mal ein wahrlich würdiger Gegenstand für ziviles Engagement. Egal, ob man nun Castorf-Fan ist oder Dercon-Verteidiger: Was bitte ist die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ohne das Rad? Ohne den Räuberzinken mit Speichen drin und Füßen dran? Zum Weglaufen wären Bühne und Platz.

Aber die Castorf-Truppe will es so, ausdrücklich. Das Rad kommt weg, heißt es aus dem Theater, nachdem letzte Woche erste Gerüchte an die Öffentlichkeit gelangt waren. Das beliebte rebellische Volksbühnen-Wahrzeichen war 1990 für eine Castorfsche „Räuber“Inszenierung vom Bühnenbildner Bert Neumann erfunden und vom Schweizer Designer Rainer Haußmann gebaut worden. Letzterer hat wohl die Rechte an dem Kopffüßler. Als Logo ziert es Programme, Streichholzschachteln und T-Shirts, das Rad bedeutet, ach was, es ist die Volksbühne. Und jetzt soll es verschwinden, zum Ende der Ära Castorf im Sommer.

Das Rad ist unser und also die Rache?

Kommt Zeit, geht Rad? Kommt Dercon, geht Rad! Chris Dercon, der heftig umstrittene Nachfolger des Vierteljahrhundert-Theatermanns Frank Castorf würde das Rad gerne behalten. Aber der scharfe Wind, der ihm auch aus dem Hause entgegenbläst, fegt die rostige Skulptur davon. „Wenn das Rad stehen bleiben würde, würde das eine Kontinuität suggerieren, die es nicht gibt“, sagte Chefdramaturg Carl Hegemann gegenüber der Deutschen Presse Agentur.„Wir sollen das Haus ja auch besenrein verlassen.“

Ganz schön sarkastisch. Das Rad ist unser und also die Rache? Was würde der gute alte Brecht dazu sagen? Seine Verse vom „Radwechsel“ über die Ungeduld dessen, der nicht gern dort ist, wo er herkommt, und auch nicht gern, wo er hinfährt, entstanden zwar ein paar Jahre vor dem Amtswechsel am Rosa- Luxemburg-Platz. Aber der Castorf-Dercon-Zoff besitzt längst Züge eines Kulturklassenkampfs, und der amtierende Berliner Kultursenator betätigt sich nicht gerade als Mediator. Artisten in der Volksbühne, radlos.
Haltet ein, möchte man rufen. Vielleicht hilft ja das neue Gesetz zum Schutz von national wertvollem Kulturgut. Das Rad, logo, darf nun wirklich nicht abwandern.

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