Volkstheater Rostock : Ein Intendant wird gefeuert

Die Bürgerschaft entlässt Sewan Latchinian fristlos, ein Nachfolger steht bereit - doch die Zukunft des Theaters bleibt ungewiss. Neues zum Rostocker Bühnen-Drama.

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Der Intendant des Volkstheaters Rostock, Sewan Latchinian, muss gehen.
Der Intendant des Volkstheaters Rostock, Sewan Latchinian, muss gehen.Foto: dpa

Der Untergang des Rostocker Volkstheaters begann in Schwerin. Vom Regierungssitz aus drohte Mecklenburg-Vorpommerns Kulturminister Mathias Brodkorb nämlich, er werde die Höhe des Landeszuschusses für Rostock kürzen, falls die Bühne keiner engen Kooperation mit dem Schweriner Theater zustimmt. Damit stachelte er den hanseatischen Stolz an: Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling konterte, seine Stadt werde autonom bleiben. Da er sich allerdings gleichzeitig mit dem Problem konfrontiert sah, einen Neubau für die seit Jahrzehnten in einem Behelfsgebäude spielende Institution finanzieren zu müssen, beschloss der Rathaus-Chef kurzerhand die Schließung von zwei der vier Bühnensparten: Nur Schauspiel und Orchester sollte es künftig noch geben.
Unter dieser Prämisse wechselte der Senftenberger Intendant Sewan Latchinian vor zweieinhalb Jahren nach Rostock. Im Februar 2016 aber vollzog die Bürgerschaft eine kulturpolitische Kehrtwende: Nun hieß es, Rostock solle ein reines Opernhaus bekommen. Auslöser für den Sinneswandel war ein Konzeptpapier von Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski: der hatte vorgeschlagen, Rostocks günstige Lage zwischen Hamburg und Berlin zu nutzen und das Angebot an Tanz und Schauspiel künftig über Gastspiele zu bestreiten.
Dieses sogenannte „Hybridmodell“ wiederum machte den Sprechtheater- Spezialisten Sewan Latchinian in Rostock quasi überflüssig. Bürgermeister Methling witterte die Chance, den kampfeslustigen Künstler, mit dem er zuvor schon mehrfach aneinandergeraten war, kostenfrei loszuwerden. Ein 13 Seiten starkes Papier, in dem die Aufsichtsratsvorsitzende des Volkstheaters alle vermeintlichen Verstöße des Intendanten gegen seine Vertragspflichten auflistet, reichte der Bürgerschaft am Montag, um die fristlose Kündigung auszusprechen.

Joachim Kümmritz soll das Haus führen

Während Latchinians Anwältin ankündigte, sie werde gegen den Rauswurf rechtlich vorgehen, wurde bereits ein Nachfolger bestellt. Joachim Kümmritz soll – nach 23 Jahren als Schweriner Theaterintendant – nun das Rostocker Haus in die Zukunft führen. Sein Ziel sei es, „den Krieg zwischen allen Beteiligten zu beenden“, erklärte Kümmritz. Einen konkreten Zeitplan für die Errichtung des so dringend nötigen Neubaus gibt es übrigens weiterhin nicht

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