Volkwin Marg zum 80. : Was er baut, funktioniert sofort

Vom Flughafen Tegel zum Umbau des Olympiastadions: Der Architekt Volkwin Marg prägte das Stadtbild von Berlin. An Samstag feiert er seinen 80. Geburtstag.

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Volkwin Marg, Ko-Schöpfer des Flughafens Tegel.
Großzügigkeit im Denken.Volkwin Marg, Ko-Schöpfer des Flughafens Tegel.Foto: dpa

Das größte deutsche Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) trägt den Namen seiner beiden Gründer, doch in gewissem Sinne handelt es sich um zwei Büros. Denn längst ist jeder der beiden Prinzipale, Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg, für je eigene Projekte verantwortlich. Andererseits ist es kaum möglich, die Handschriften der beiden Architekten zu unterscheiden, und damit ist bereits ein Merkmal von gmp benannt: nämlich es nicht auf eine besondere „Handschrift“ abgesehen zu haben, im Sinne jener signature architects, deren Bauten man sofort erkennt, einerlei wo sie stehen und wozu sie dienen.

Volkwin Marg, 1936 in Königsberg geboren, in Danzig aufgewachsen, nach der Flucht in Ludwigslust zur Schule gegangen und nach der Nichtzulassung zum Studium seitens der SED nach West-Berlin übergesiedelt, traf an der TU Berlin seinen künftigen Büropartner von Gerkan, wechselte wie dieser an die TU Braunschweig und war 1964 nicht nur diplomierter Architekt, sondern hatte quasi aus dem Nichts den ersten und gleich ungeheuer großen Auftrag. Es handelte sich um den Flughafen Tegel, und dass heute, 42 Jahre nach dessen Eröffnung, nach wie vor von TXL geschwärmt wird, liegt an der Qualität des Entwurfs und der Belastbarkeit des ausgeführten Bauwerks.

Marg drängt sich mit seinen Entwürfen nicht in den Vordergrund

Damit ist im Grunde das Wichtigste über die Entwurfshaltung gesagt, die Volkwin Marg – der am Sonnabend seinen 80. Geburtstag feiert – seither in gemeinsam wie in allein verantworteten Bauten verwirklicht. Seit Anbeginn in Hamburg ansässig, ist gmp die hanseatische Untertreibung eigen, der Sinn fürs Gediegene im Sinne des Brauch- und Haltbaren. Marg drängt sich mit seinen Entwürfen nicht in den Vordergrund, man denke an das Berliner Olympiastadion: nach wie vor der Bau von Werner March für die Spiele von 1936, aber was wäre es ohne Margs elegante Renovierung! Ebenso die Neubauten wie die Neubauten der Leipziger Messe, die von jetzt auf gleich dafür sorgten, dass die aus der Stadt hinaus an einen freien Platz verlegte Messe nicht nur funktionierte, sondern weiter wuchs und den Handelsplatz Leipzig wie selbstverständlich in die Jetztzeit katapultierte. Oder das Hamburger Verwaltungsgebäude einer Schweizer Versicherung, das den bewährten Typus des „Kontorhauses“ zugleich auf eine neue Stufe hob und ihn dennoch in das gewachsene Umfeld nahtlos einfügte.

Zahllos sind seine Ehrenämter

Für Hamburg schuf Marg mit der städtebaulichen Großtat des Grundkonzepts „Hafen-City“ einen völlig neuen Stadtteil und ebenfalls etwas, das sofort funktionierte – mit einer weitblickenden, handlungsfähigen Stadtregierung an der Seite, das sei in Berlin doppelt unterstrichen! Es ist bezeichnend für Margs Großzügigkeit im Denken und Handeln, dass er sich in der Hafen-City zuallererst mit der Herrichtung eines früheren Kesselhauses zum Informationszentrum, jahrelang Anlaufstelle für wissbegierige Besucher, beschäftigt hat.

Zahlreich sind die Ehrenämter, in denen sich Volkwin Marg für seinen Berufsstand engagiert hat. Legendär sein Interesse für und seine Lust an technischen Dingen; der in den vergangenen Jahren sich häufende Bau von Fußballstadien, von Köln bis Kapstadt, erfüllt diese Vorliebe. In Warschau das Nationalstadion bauen zu können, in den polnischen Farben Rot und Weiß, dürfte ihm mit seiner Danziger Vergangenheit besonders viel bedeutet haben. Und dass er gerade dabei ist, das Madrider Bernabeu-Stadion für den selbst ernannt „größten Club der Welt“ rundum zu erneuern, ist so etwas wie die Krönung dieser Tätigkeit. Insgesamt haben gmp über 350 erste Preise in Wettbewerben gewonnen, und überall steckt etwas von Volkwin Marg und seiner Haltung drin.

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