Kultur : Voll daneben

„Glorious“ in der Komödie am Kurfürstendamm

Daniel Wixforth

Es gab einmal eine Zeit, da war musikalische Selbstüberschätzung noch kein Massenphänomen. Sie war Kunst und Kult, und Florence Foster Jenkins war ihre Ikone. Eine radikale Selbstüberhöherin, deren Geschichte nicht viel Komödiantisches hat. Die überdurchschnittlich untalentierte Sängerin hält sich für eine große Künstlerin, finanziert mit ihrem Reichtum die eigene Karriere und merkt dabei nicht, dass die Menschen nur zu ihren Konzerten kommen, um über sie zu lachen. Kunst als Missverständnis, das 1944 mit einem ausverkauften Konzert in der New Yorker Carnagie Hall seinen grotesken Gipfel fand. Glück gab es für Foster Jenkins nur durch Realitätsverweigerung. Es hat rührende Tragik. Aus diesem Grund hat es Peter Quilters Komödie „Glorious!“, die das letzte Karrierejahr der Selfmade-Sängerin als Lachnummer erzählen will, in der Komödie am Kurfürstendamm schwer.

Die Komik steckt nicht im Stoff als Ganzes, und so wird sie auf die Detailebene gezerrt: Dialoge, Gestik, schräger Gesang. Darauf vertraut Regisseur Martin Woelffer so sehr, dass er Regieeingriffe für unnötig hält. Die Handlung läuft als schlichte Szenenfolge am Zuschauer vorbei. Höhepunkt ist immer wieder, wie die ausgebildete Sopranistin Johanna von Koczian Madame Foster Jenkins spielt und bei Schubert, Bizet, Richard Strauss Rhythmik und Intonation danebenhaut. Das hat Charme, auch weil Horst Maria Merz als Klavierbegleiter Cosme McMoon schauspielerisch und pianistisch besticht. Einen ganzen Abend aber vermögen die vermaledeiten Arien nicht zu tragen. Daniel Wixforth

Bis 16. Januar, Di–Sa 20, So 16 Uhr.

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