• "Vom Goldstandard zum Euro": Barry Eichengreen über die Geschichte des internationalen Währungssystems

Kultur : "Vom Goldstandard zum Euro": Barry Eichengreen über die Geschichte des internationalen Währungssystems

Karin Birk

"Das internationale Währungssystem ist der Kitt, der die einzelnen Volkswirtschaften zusammenhält", schreibt der bekannte amerikanische Ökonom Barry Eichengreen gleich zu Anfang seines Buches "Vom Goldstandard zum Euro. Die Geschichte des internationalen Währungssystems." Was also könnte spannender sein, als etwas über diesen "Kitt" zu erfahren. Zumal in einer Zeit, in der in Europa der "Euro" seine ersten Gehversuche macht, in einer Zeit, in der Japan, Lateinamerika und Russland nach schweren Währungskrisen noch immer nicht so recht auf die Beine kommen und der Ruf nach mehr Kontrollen und einem festen Wechselkurssystem immer lauter werden.

Eichengrenn hat sich in seinem vor kurzem ins Deutsche übersetzte Buch diesen Fragen angenommen: In vier großen Kapiteln beschreibt er zuerst die Geschichte des Goldstandards, die Instabilität der Zwischenkriegszeit sowie den Versuch über das Festkurssystem von Bretton Woods von 1944 bis 1971, Stabilität in das internationale Währungssystem zu bringen. Im letzten Kapitel erklärt er den Übergang zum System flexibler Wechselkurse, wie es heute zwischen dem Euro und dem Dollar besteht. Außerdem zeichnet er noch einmal nach, wie in Europa aus einem lockeren Währungsverbund über das Europäische Währungssystem der Euro geschaffen wurde.

Ganz bewusst richtet sich Eichengreen nicht nur an Eingeweihte, sondern an "Leser ohne fachspezifische Kenntnisse". Doch genau hier sind Zweifel angebracht: Obwohl das Werk aus einer Vorlesung entstanden ist, hätte es dem Buch gut getan, an der einen oder anderen Stelle, die Wirkungsmechanismen eines Wechselkurssystems mit flexiblen und festen Wechselkursen noch deutlicher herauszustellen. Erst zum Schluss des Bretton-Woods Kapitels etwa schreibtt Eichengreen, wie die USA mit immer mehr Dollar ihre Militärausgaben in Vietnam finanzierten und Deutschland und andere Industriestaaten durch die Stützung des Dollar die Preisstabilität und die wirtschaftlichen Ziele im eigenen Land immer stärker gefährdeten und zu weiteren Interventionen nicht mehr bereit waren.

Wer allerdings in diesen Dingen bewandert ist, oder im ausführlichen Glossar nachliest, wird überrascht sein über die historischen und politischen Details, die Eichengreen nicht nur zum Goldstandard, zur Sterlingkrise, zum System von Bretton Woods oder zur Vorgeschichte des Euros auf das Papier bringt. Etwas dünn fällt allerdings seine Erklärung zur Entstehung der Asienkrise aus. Mit keinem Wort erwähnt Eichengreen bei der Asienkrise etwa die fatalen Folgen der Immobilienspekulationen in Japan.

Auf Eines weist der Ökonom jedoch ganz deutlich hin: In einer Welt, in der die internationalen Finanzströme rasant zunehmen, ist es schier unmöglich, die Wechselkurse durch begrenzte Interventionen zu stabilsieren. Begreift man den Wechselkurs eines Landes quasi als Aktienkurs einer Volkswirtschaft, dann können oft nur harte Reformen, wie etwa in Russland langsam die Kurse wieder stabilisieren helfen. Auf die Rolle, die der Internationale Währungsfonds bei solchen Krisen gespielt hat und wie sich seine Aufgabe im Laufe der Zeit verändert hat, geht der Autor leider nur wenig ein. Insgesamt ist das Buch ganz sicher ein interessanter historischer Überblick über 150 Jahre internationale Währungsgeschichte. Schade allerdings, dass Eichengreen, der an der Universität von Kalifornien in Berkley lehrt, sich nicht die Zeit genommen hat, das zu Grunde liegende Vorlesungsskript stärker zu überarbeiten und zu aktualisieren. Dann wäre das Buch auch für interessierte Laien ein wahrer Gewinn.

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