Kultur : Vom Kino ins Bett

„Casting in Kursk“: eine Frauendrama am theater89

Christoph Funke

Eine Hoffnung keimt auf. Sind plötzlich wieder Begabungen gefragt? Ein paar Frauen aus Kursk warten in einem heruntergekommenen Kino der Stadt auf Japaner. Sie wollen Arbeit. Auch im Ausland. Dass nur sehr junge Mädchen gefragt sind, nehmen sie nicht zur Kenntnis. Wozu können sie singen, zaubern, Akkordeon spielen? Alexander Galin, 57 Jahre alt, führt die wackere Frauenriege in seinem Stück über den Prostitutionshandel „Casting in Kursk“ durch tiefe Demütigungen – und macht sie zu Helden.

So ausweglos der Alltag der vier Damen und zwei schon sehr erfahrenen Mädchen auch ist, sie geben sich nicht auf. Ihr fast schon sorgloses Miteinander, ihre Ausbrüche in Heiterkeit und Verzweiflung, ihre Bosheit und Güte, hasserfüllten Kämpfe und solidarischen Besänftigungen hat Regisseurin Gabriele Heinz im theater 89 kraftvoll inszeniert, mit dem Mut zu großen Emotionen. Die Aufführung ist einer gesellschaftlichen Wirklichkeit auf der Spur, die Menschen in ihrer Integrität tief gefährdet – und herausfordert. Man erlebt die Integrität großen realistischen Theaters, das den Frauenfiguren vertraut und eine Geschichte bewahrt, wo sie auch hätte besserwisserisch umgeformt werden können (wieder: 12., 13., sowie 17.–20. und 24.-27.3.). Die Männer stehen diesem Reichtum an Charakterbildern nicht nach – auf der mit rotem Teppich belegten, ins staunenswert Weiträumige getriebenen Bühne von Annette Braun gelingt eine mitreißende Aufführung.

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