Kultur : Vom Rauchen im geschlossenen Wagen

Frank Noack

Alt-Gangster Roy, der sich Leopard nennt und von Eric Tsang gespielt wird, hat eine entfernte Ähnlichkeit mit Jackie Chan, dem Kampfsport-Komiker Nummer Eins des Hongkong-Kinos. Anders aber als Jackie Chan hat er seit Jahrzehnten nicht mehr trainiert. Wenn Roy seinen molligen Körper durch die Straßen von Hongkong schiebt, schmunzeln die Passanten. Niemand glaubt ihm, dass er einmal ein gefürchteter Gangster war. 30 Jahre hat er im brasilianischen Exil verbracht; jetzt ist er zurückgekehrt, um sich an einem alten Rivalen zu rächen. Der hatte Roy in den Rücken geschossen und ihm zudem die Freundin ausgespannt.

Die Rachepläne verlieren allerdings an Bedeutung, da Roy an Alzheimer leidet und es fraglich erscheint, ob seine Geschichte überhaupt stimmt. War er selbst der Verräter und ist deshalb nach Brasilien geflohen? Es spielt bald keine Rolle mehr - was als Actionfilm mit humoristischen Einlagen beginnt, entwickelt sich zur anrührenden Tragikomödie über ein seltsames Paar. Regisseur Riley Ip (alias Ip Kam Hung) lässt seinen Darstellern viel Raum; Kameramann Peter Pau verzichtet völlig auf die Effekthascherei, die man nach seinem Oscar für "Tiger & Dragon" hätte erwarten können. Es gibt sogar Ansätze einer gewissen Magie, etwa wenn die beiden Freunde im geschlossenen Wagen rauchen und nicht merken, wie sie im Qualm versinken. Oder wenn rivalisierende Gangs beim Anblick einer Sternschnuppe friedlich werden. "Metade fumaca" bedeutet "halb aufgerauchte Zigarette". Eine solche trägt Roy als Talisman bei sich. Sie bietet ihm Halt, während seine Erinnerung ihn immer mehr im Stich lässt.

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