Kultur : Vom Reißbrett Hannover: Lutz Hübners „Hotel Paraiso“ uraufgeführt

Hartmut Krug

Im Urlaub wird der Alltag oft gerade als Problem bewusst. Ein Thema, das in unzähligen Filmen, Fernsehspielen und Theaterstücken verhandelt wurde. Lutz Hübner fügt ihnen in seinem „Hotel Paraiso“ leider keinen neuen Gedanken hinzu. Das Ferienparadies in Hübners Stück liegt an der portugiesischen Algarve, doch die Probleme der zwei Singles und des Ehepaares mit 18-jähriger Tochter, die in einer kleinen Pension aufeinander stoßen, stammen aus der deutschen Klischeeküche.

Hübner ist nicht nur wegen seiner Jugendstücke der meistgespielte, sondern wohl auch der fleißigste deutschsprachige Dramatiker der Gegenwart. In Berlin hat er zuletzt mit seinem „Bankenstück“ am Maxim Gorki Theater Furore gemacht, für das er schon wieder an einem Stück über die Globalisierung sitzt. In Braunschweig kam Anfang des Monats sein „Der Maschinist“ über den Erfinder Mälzel zur Uraufführung, und wenig später in Hannover diese Auftragsarbeit.

Alle Problemstellungen, alle Haltungen scheinen allzu bekannt. Da gibt es die allein stehende Geschäftsfrau mit burn out-Syndrom, die über einen neuen Anfang nachdenkt, erst aber einmal mit dem jungen Surfboy anzubändeln sucht (Susanne Jansen). Es gibt das Ehepaar, bei dem der Mann seiner verpassten Karriere nachtrauert (Wolf List) und die Frau, bisher gehemmtes Familienopfer, über ihre Zukunft nachdenkt (Martina Struppeck). Tochter Katharina ist 18 und hat mit Erwachsenwerden und Frausein Probleme, aber auch mit ungeklärter Zukunft wie mit unklarer Vergangenheit. Was war da auf einem Spaziergang am Meer mit dem Vater? Nur Leistungsdruck oder gar unziemliche Annäherung? So kämpft Katharina, von Sonja Beißwenger eindringlich als Ekelpaket gegeben, gegen sich und alle anderen. Ob der Tod des Vaters im Meer Wunschfantasie oder Realität ist, bleibt offen. Das ist aber auch das Einzige, was Hübners Stück, das jeder Figur seine dramaturgische Funktion wie auf dem Reißbrett zuweist, offen lässt.

Barbara Bürk, die in Hannover bereits Hübners „winner & loser“ inszenierte, nimmt die Klischees des Stückes – in Anke Grots bilderbuchhaftem Bühnenbild – an, indem sie zunächst die boulevardesken Qualitäten des Stückes herausstreicht. Damit bringt sie Stück und Darsteller mächtig in Schwung und gibt dem Publikum viel Anlass zur Heiterkeit. Doch als die Probleme der Figuren benannt sind und vor allem Katharinas Suche nach Vaterliebe und Wahrheit in den Vordergrund rückt, gerät die Stückmaschinerie mächtig ins Stocken. Was bleibt, ist Schauspieler-Gebrauchstheater.

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