Kultur : Vom Schloss zum Leuchturm

Rettet der Bund Wiepersdorf?

Jörg Plath

Schloss Wiepersdorf droht das Ende. Es wird fieberhaft nach einem neuen Modell für die international renommierte Stätte der Künstlerförderung gesucht. Findet sich keine Lösung, muss die Stiftung Kulturfonds, die noch Wiepersdorf betreibt, Gebäude, Ateliers, Park, Museum und Mobiliar verkaufen. Sicher ist, dass bis zum Jahresende die Selbstliquidation der 1990 mit immerhin 92 Millionen DM gegründeten Stiftung Kulturfonds, der einst alle neuen Bundesländer und Berlin angehörten, erfolgen wird. 1997 trat erst Sachsen aus, im letzten Jahr folgten Thüringen und Sachsen-Anhalt. Ihren Anteil am Vermögen des Kulturfonds nehmen sie mit, die Künstlerhäuser bleiben jedoch zurück. Brandenburg allein ist mit den jährlichen Kosten für Wiepersdorf von 850 000 Euro überfordert, Berlin hat abgewunken, und Mecklenburg-Vorpommern sichert im Alleingang das zweite Kulturfonds-Künstlerhaus Ahrenshoop.

Wieder eilt der Bund als Retter in der Not herbei. Kulturstaatsministerin Christina Weiss will zwar nicht auch noch das Schloss übernehmen. Aber sie hat der Stiftung Kulturfonds vorgeschlagen, Wiepersdorf im nächsten Jahr teilweise aus der so genannten Leuchtturmförderung zu finanzieren, die allen neuen Bundesländern für kulturelle Zwecke zufließt. Stimmen die Länder zu, sollen 450 000 Euro von den 6,2 Millionen Euro abgezweigt werden. Die fehlenden 400 000 Euro könnte Brandenburg aus den Zinserträgen aufbringen, die dem Land aus seinem Anteil an dem Vermögen der Stiftung Kulturfonds zustehen. In Potsdam ist man zuversichtlich, einen neuen Träger für das Künstlerhaus zu finden.

Die Tücke des Vorschlags liegt nicht im Detail, sondern im Grundsätzlichen. Sollte Wiepersdorf das Geld erhalten, fehlt es woanders: entweder in allen neuen Ländern oder in Brandenburg. Doch dass Potsdam allein für Wiepersdorf aufkommt, schloss Kulturministerin Johanna Wanka gegenüber dem Tagesspiegel kategorisch aus: „Die anderen Länder sind für die gegenwärtige Lage verantwortlich.“ Es wird also an die Gönnerlaune jener Landeskulturpolitiker appelliert, die mit ihren Begehrlichkeiten die reich dotierte Stiftung Kulturfonds zerlegten. Reaktionen gibt es noch nicht.

Eine andere, geradezu elegante Lösung enthielt letzte Woche ein offener Brief der Sächsischen Akademie der Wissenschaften an die Bayerische Staatskanzlei. Der Akademie-Präsident Ingo Zimmermann und der Publizist Friedrich Dieckmann fordern darin von Ministerpräsident Stoiber: „Ermöglichen Sie die Übernahme des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf durch den Freistaat Bayern!“ Schon 1814, zu Zeiten der Romantiker Bettina und Achim von Arnim, sei Wiepersdorf eine Kulturenklave gewesen, damals eine preußische auf sächsischem Territorium. Warum also jetzt nicht eine bayerische auf brandenburgischem?

Als letztes Jahr das Ende der Stiftung Kulturfonds feststand, sollten Wiepersdorf und Ahrenshoop bei der gemeinsamen Kulturstiftung der Länder und des Bundes unterschlüpfen, über deren Vereinigung damals gerade verhandelt wurde. Doch die vom bayerischen Kulturminister mitgetragene Fusion wurde in letzter Minute durch ein Veto Stoibers verhindert. Der Ministerpräsident wäre jetzt der Richtige, den gordischen Knoten zu zerschlagen. Sonst zerstören die Länder durch ihren Egoismus Einrichtungen von nationaler Ausstrahlung.

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