Kultur : Vom Weltschmerz, dem das Orchester fehlt

FADO

Michael Schultheiss

Einsam nebelt die Maschine. Die süßlich riechenden Rauchschwaden hüllen die Bühne und die Musiker ein. Ein ungewohntes Bild in der Berliner Philharmonie. Aber es passt zum Stimmungsbild: zu den schmachtenden Gitarren und ihren meditativen Themen. Darüber glasklar-klagend die exponierte Stimme Teresa Salgueiros. Madredeus ist Portugals Exportschlager in Sachen Folklore, vertonte Melancholie, Leidenschaft, schmerzliche Tristesse, mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont. Fado ist die Musik nach Ansicht des Gitarristen Pedro Ayres Magalhães eigentlich nicht. Der Bezug zum Fado sei rein literarisch. Am ehesten mag er das Etikett „Novo Fado“– Neuer Fado – akzeptieren. Welches Label man der Musik auch immer verpasst, sie ist und bleibt wunderschön. So träumt man sich mit Teresa Salgueiro hinweg, in die Paradiese des Herzens, in ein Land der sanften Entrücktheit. Aber es ist kein beständiger Weltschmerz.

Madredeus hat ein klare Entwicklung durchgemacht. Weg von den poppigen Balladen hin zu klassischer Tonmalerei, größeren Spannungsbögen. Die Stücke stammen fast ausschließlich vom jüngsten Album Euforia, das seit zwei Wochen in den Plattenläden steht und das Madredeus mit dem „Vlaams Radio Orkest“ aufgenommen haben. So gibt es beim Konzert in der Philharmonie einen nicht ganz kleinen Wehrmutstropfen, Keyboard und Synthesizer taugen nicht so recht zur Orchestrierung. Unweigerlich stellt man sich vor, wie Teresa Salgueiros Stimme hier zu echten Streichern und Bläsern klingen würde.

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