Kultur : Vom Wert der Bücher: Festakt in Weimar

Drei Jahre nach dem Großbrand ist die von Grund auf sanierte Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gestern wiedereröffnet worden. Bundespräsident Horst Köhler sprach beim Festakt von einem „Freudentag für die Kulturnation Deutschland“. Im September 2004 hatte eine defekte Kabelverbindung im Dachstuhl das Feuer ausgelöst, das 50 000 Bücher und 37 Gemälde unwiederbringlich zerstörte. „Weniges wird in der kulturellen Welt als eine so große Katastrophe erlebt wie der Brand einer Bibliothek“, sagte der Bundespräsident: „ Weil Bibliotheken ganz besondere Orte sind. Dass die Menschen das immer noch wissen, auch im audiovisuellen und digitalen Zeitalter, das zeigte die große Trauer über den Brand und über den unrettbaren Verlust von Teilen unserer Kultur und Tradition.“

Köhler sagte weiter: „ Wir haben heute erst ein Etappenziel erreicht. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek braucht weiterhin unsere Unterstützung, damit der Wiederaufbau des Buchbestandes so gut gelingt wie die Sanierung des Gebäudes. Das nächste Ziel, der Abschluss der Buchrestaurierung, soll 2015 erreicht werden. Bibliotheken sind ganz besondere Orte. (...) Was immer wir verstehen wollen, erscheint uns wie ein Buch, eine Schrift, die wir zu lesen oder zu entziffern lernen müssen. Die ganze Wirklichkeit als Schrift oder als Buch zu begreifen, also als sprachlich verfasst und durch Sprache erkennbar und aussprechbar, geht auf ganz alte Vorstellungen, vor allem der jüdischen und christlichen Überlieferung zurück“. Viele Bibliotheken in Deutschland, kritisierte Köhler, seien in ihrem Bestand bedroht oder könnten wegen Finanzkürzungen ihre Arbeit nicht mehr im vollen Umfang wahrnehmen. Bibliotheken seien aber „weder ein Luxus, auf den wir verzichten könnten, noch eine Last, die wir aus der Vergangenheit mitschleppen. Sie sind ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen“, so der Bundespräsident. Tsp

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