Kultur : Vom Wesen der Dinge

Rückblick auf die Fotografieauktion in der Villa Grisebach

Michaela Nolte

Albert Renger-Patzschs Maxime „Man sollte in der Fotografie vom Wesen des Gegenstandes ausgehen“ macht sich momentan scheinbar auch die Foto-Gemeinde zu Eigen. Selbst bei klingenden Namen wie Karl Blossfeldt, Paul Strand oder Bernd und Hilla Becher gab sich das Publikum in der Villa Grisebach äußerst wählerisch.

Zur teuersten Fotografie avancierte Renger-Patzschs neusachliches „Triebwerk einer Lokomotive“, das mit 4000 Euro sehr sachlich bewertet war. Seit den Fünfzigerjahren befand sich der 1925 entstandene Vintage-Print in Privatbesitz, nun wechselt er für 24 780 Euro in den Berliner Handel; gefolgt von William Kleins „Car under EL, New York“, für das ein japanischer Privatier bei 23 600 Euro die Taxe verdoppelte.

Hugo Erfurths Bildnis von Otto Dix erzielte mit 7670 Euro knapp die obere Erwartung, die „2 Köpfe“ von Theodor Lux Feininger bei 10 620 Euro erfüllen konnte. Für Spannung sorgten zwei Interieurs der Weißenhofsiedlung von Otto Lossen. Nach einem Aufruf von 2000 Euro setzte sich ein hartnäckiger Telefonbieter bei 10 380 respektive 10 620 Euro durch. Mit 430 000 Euro brutto blieb Grisebach hinter seinem Frühjahrsergebnis zurück, liegt aber durchaus im Trend des insgesamt recht flauen Fotografie-Herbsts.

Villa Grisebach, Fasanenstraße 25; heute ab 10 Uhr: Auktion 19. und 20. Jahrhundert sowie Schätzwerte bis 3000 Euro.

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