Kultur : Von der Bordmahlzeit bis zur Landung in New York...

Zur Fotogalerie in der BrotfabrikFür den einen ist Fotografie eine Filmsequenz aus mehreren Bildern, für die andere sind Fotos eine Mischung aus aneinandergereihten Domino-Steinen oder Memory-Spielkarten.Die Künstler, deren neueste Arbeiten in der Fotogalerie der "Brotfabrik" zu sehen sind, scheinen auf den ersten Blick grundverschieden.Arbeiten von Joachim Richau mit dem Titel "heim suche" stellen sich puristisch dar.Seine Bildserien zeigen ein konzeptuell orientiertes Interesse an Zeichen, die er als Spuren der Vergangenheit begreift.Wanderwegmarkierungen auf Bäumen sowie die darunter hervorbrechende Struktur der Rinde faszinieren ihn genauso wie Radspuren im Sand oder aufgemalte Verkehrszeichen auf der Straße.Das Porträt seiner Mutter bringt er durch Reihung von Einzelperspektiven in Bewegung, welches den Effekt einer filmischen Kreisfahrt bewirkt.Maria Sewcz hingegen "überfällt" den Betrachter mit überbordener Erzähllust.Wie ein Dominospiel sind ihre Fotos angebracht.Eine fast unendliche Erzählspur, an der entlang, nach oben, unten, rechts und links, die Stationen und Eindrücke ihrer New-York-Reise abzulesen sind."Ten days way" nennt sie ihre Arbeit.Streng komponierte Detailaufnahmen folgen auf unscharfe Schnappschüsse und großzügige Panoramabilder.Sie beginnt ihre Reise in Berlin, auf dem Flughafen.Von der Bordmahlzeit bis zur Landung in New York, der Ankunft im Hotelzimmer und der ersten und letzten Fast-Food-Pause bis zum Besuch des Empire State Buildings, dessen Miniatur-King-Kong-Figur sie ebenso zeigt wie die Namensliste der Büros auf dem Stillen Portier, ist scheinbar alles dokumentiert.Beide Künstler nehmen Abschied vom Einzelbild; im Prozeß des Aneinanderreihens verschiedener Einzelaufnahmen wollen sie gleichsam einen Prozeß des Erinnerns und der Gleichzeitigkeit verschiedener Eindrücke darstellen. sb Galerie in der Brotfabrik, bis 12.Dezember, Mittwoch bis Sonntag 16 bis 21 Uhr.

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