Kultur : Von der Kaserne zur Kunst Die Museumsinsel erweitert sich

Michael Zajonz

Die Berliner Museumsinsel weitet sich aufs andere Ufer aus. Gestern präsentierte Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, auf dem ehemaligen Kasernengelände zwischen Kupfergraben, Stadtbahn und Geschwister-Scholl-Straße die Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes für die künftigen „Museumshöfe“. Unter 26 Teilnehmern, deren Arbeiten in der ehemaligen Friedrich-Engels-Kaserne ausgestellt werden, setzte sich das Architekturbüro Auer + Weber, München/Stuttgart vor den Mitbewerbern Stephan Braunfels, München und Hufnagel-Pütz-Rafaelian, Berlin durch.

Auf dem der Museumsinsel benachbarten, 21700 Quadratmeter großen Areal sollen bis 2020 Museumsverwaltungen, Restaurierungswerkstätten und – falls irgendwann genügend Geld jenseits der für die fünf Insel-Museen erwarteten Gesamtbaukosten von 1,5 Milliarden Euro vorhanden sein sollte – ein Erweiterungsbau für das Bode-Museum entstehen. Über die genaue Gestaltung der einzelnen Gebäude soll Anfang 2006 ein zweiter Wettbewerb entscheiden.

Ein Auge hatten die Berliner Museen auf das Gelände westlich der Museumsinsel schon lange geworfen. Alfred Messel entwarf das Pergamonmuseum 1906 mit einem nach Westen geöffneten Ehrenhof, der ohne die unverwirklicht gebliebene Promenade zum Hauptgebäude der Humboldt-Universität sinnlos wirkt. In den achtziger Jahren versuchten die Ost-Berliner Museen vergeblich, dringend benötigte zusätzliche Ausstellungsflächen im Magnus-Haus und einem Altbau direkt hinter dem Zeughaus zu akquirieren.

Es war Günter Schade, der letzte Generaldirektor der Ost-Berliner Museen, der 1990 den Finger hob, als das Stasi-Wachregiment aus der Friedrich-Engels-Kaserne auszog. Ganz im Geiste des Gründungsauftrags der Museen plante man gemeinsam mit den Kunsthistorikern der Humboldt-, der Freien und der Technischen Universität in den neunziger Jahren ein Berliner Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Die Wege zwischen Forschung, Lehre und Museumspraxis wären vorbildlich kurz gewesen. Schließlich setzte sich institutioneller Egoismus durch: Die gestern vorgestellte Lösung beschränkt sich auf die Museen als alleinigem Nutzer. Die Humboldt-Universität baut auf einem Nachbargrundstück mit der neuen Zentralbibliothek ihr eigenes Kompetenzzentrum.

Das Projekt „Museumshöfe“ ist ohne den bis 2020 gestreckten Masterplan Museumsinsel nicht denkbar. Dem trägt der Preisträgerentwurf durch schrittweise Realisierbarkeit Rechnung. Auer + Weber haben auf die große Geste in Nachbarschaft zum Weltkulturerbe Museumsinsel, nicht aber auf eine eingängige städtebauliche Figur verzichtet. Rückgrat ihrer Planung ist eine mit Bäumen gefasste offene Passage zwischen der Nordspitze der Insel und einem neuen Stadtplatz gegenüber der künftigen HU-Bibliothek.

In einem ersten Bauabschnitt sollen bis Ende 2007 die um 1900 errichtete Kaserne hergerichtet sowie bis 2010 ein Anbau von 6500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche errichtet werden. Je nach Baufortschritt am Alten Museum und Pergamonmuseum – dort werden derzeit aus Kostengründen noch drei verschiedene Planungsvarianten geprüft – könnten bis 2020 zwei weitere Neubauabschnitte folgen. Für den neuen Galeriebau sind Flächen vorgesehen, die die Museen derzeit noch für die Baustellenlogistik der Insel freihalten müssen. Dort soll nach Willen von Museums-General Peter-Klaus Schuster die erst vor knapp zehn Jahren am Kulturforum neu eröffnete Gemäldegalerie einziehen.

Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse: Geschwister-Scholl-Straße 2–4 in Mitte, bis 25. November, Di–So 10–18 Uhr.

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