Kultur : Von Ebay ins Museum

Udo Kittelmann mischt Kunst und Dinge

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Herr Kittelmann, Sie haben bei Ebay innerhalb eines Jahres rund 500 Objekte für das Museum für Moderne Kunst ersteigert. Was haben Sie konkret gekauft?

Wir haben Dinge ersteigert, die im tradierten Verständnis nicht der Kunst zuzuordnen sind. Dabei sind wir von der Frage ausgegangen, wie sich Kunstwerke und banale Dinge verändern, wenn man sie in Dialog zueinander setzt.

Und was haben Sie mit den Objekten vor?

Die Sammlung, als Grundstock eines Museums, steht immer am Anfang unserer Überlegungen. Durch kombinatorische Präsentationen oder mit Ausstellungen wie den „Doppelungen“ von Elaine Sturtevant wollen wir den Status der Kunstwerke hinterfragen. In unserer Ausstellung „spinnwebzeit – die Ebay-Vernetzung“ holen wir Alltagsgegenstände ins Museum: Amateurfotos von Zwillingen, Puppen oder eine Sammlung kleiner Handspiegel. Historisch gesehen sind wir damit in einer Zeit, in der es die Aufteilung zwischen Kunst und Nichtkunst noch nicht gab, die Zeit der Wunderkammern. Wird nicht auch der hierarchische Kunstbegriff zunehmend obsoleter?

Vom heute an zeigen Sie 200 dieser Objekte. Wie wollen Sie diese mit der Kunst verzahnen?

Bei der Zusammenstellung von Objekten und Kunstwerken sind wir assoziativ vorgegangen, auf der Ebene des Bildes, des Objektcharakters oder der Geschichten, die diese erzählen. Wir besitzen ein Werk von Martin Honert, das einen an einem Küchentisch sitzenden Jungen zeigt. Bei Ebay stieß ich auf ein Foto von 1918, auf dem ein Junge vor einem brennenden Haus zu sehen ist. Er ist das Ebenbild von Honerts Jungen. Von Francis Alÿs zeigen wir eine Arbeit mit gefundenen Stöcken in Mexiko und setzen sie in Bezug zu 28 Spazierstöcken. Der Ausstellungstitel „spinnwebzeit“ steht für eine Vernetzung von Kunst und Nichtkunst, die wir innerhalb von 30 Museumsräumen und zwischen diesen entfalten.

Was machen Sie anschließend mit den Objekten, die ja durch den Museumsbesitz geadelt werden?

Wir haben keine Kunst erworben und wollen diese Dinge auch nicht in unsere Sammlung integrieren. Deshalb werden sie in den Warenmarkt zurückfließen, wahrscheinlich über eine Auktion. Dann werden wir sehen, ob durch den musealen Kontext die Dinge im Wert steigen.

Das Gespräch führte Christian Huther.

Zuletzt gab es Schlagzeilen, weil ein Sammler 500 Werke aus dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt abzog. Nun thematisiert Direktor Udo

Kittelmann (47) Wertsteigerungen.

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