Kultur : Von Frankfurt lernen

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf schaut auf das Opernhaus des Jahres

Da haben wir es wieder: Auch diesmal hat bei der prestigeträchtigen Umfrage zum „Opernhaus des Jahres“ wieder eine andere Bühne das Rennen gemacht – und für die drei Berliner Häuser bleibt wieder nur das übliche Gemisch aus Gemäkel und Anerkennung. Ob das nun berechtigt ist oder nicht, in jedem Fall schadet es nichts, mal zu schauen, was der diesjährige Sieger, die Frankfurter Oper, tatsächlich anders und besser macht. Da ist erst mal die Anzahl der Premieren: Mit acht großen szenischen Produktionen und einer Reihe konzertanter Aufführungen für BelcantoFreaks bietet Frankfurt mehr als die meisten anderen. Flops lassen sich da eher verschmerzen. Außerdem wird in Frankfurt grundsätzlich übertitelt – auch, wenn es sich um deutsche Opern handelt. Was auch jetzt wieder bei der Premiere von Bergs „Lulu“ zu erheblichem Erkenntnis- und Unterhaltungsgewinn beim Publikum geführt hat. Das ist auch für die drei Berliner Häuser unbedingt nachahmenswert: Denn der Durchschnittshörer versteht nun einmal bei einer Aufführung von Richard Strauss’ „Elektra“ an der Staatsoper (10. und 14. 10.) kein Wort und wäre vermutlich auch bei Ligetis Opernspektakel „Le Grand Macabre“ an der Komischen Oper (10.10.) über textliche Fingerzeige ganz dankbar. Reingehen sollte man in beide Produktionen natürlich trotzdem: Die überbordende, kurzweilige „Macabre“-Produktion des Australiers Barry Koskie ist ideal geeignet, um Schwellenängste gegenüber Oper und Neuer Musik abzubauen, und bei der „Elektra“ steht Sebastian Weigle am Pult. Und der ist übrigens gerade zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt worden.

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