Kultur : Von Frauen und Freunden

H.P.DANIELS

Oh ja, ins Konzert von Ulla Meinecke wolle sie unbedingt mit, sagt Frau Burger ...nett und sehr sympathisch sei die Meinecke.Doch, das finde ich auch.Und ich erzähle Frau Burger, daß ich der Meinecke ab und zu mal begegnet bin und wir jedesmal angeregt miteinander geplaudert hatten: wie es so geht, und was wir so machen? Und dies und das.Einmal las ich ein Buch von Janwillem Van De Wetering: "Der leere Spiegel".Über seine Zeit in einem japanischen Zen-Kloster.Das habe sie auch gelesen, sagte die Meinecke, ein wunderbares Buch! Und wir sprachen über den Zen-Buddhismus und Van De Weterings witzige Erfahrungen in Kyoto.Als ich die Meinecke ein anderes Mal traf, war ich in mieser Verfassung.Sie griff in ihre Handtasche und kramte eine CD hervor: hier, die schenk ich dir, tröstliches Album."Oh Mercy" von Bob Dylan.

Drei Tage gastiert gastiert die Meinecke in Berlin, im Tempodrom, an dessen Nordflanke bedrohlich der Zahn der Bagger nagt für den Bundeskanzler.Drinnen, im kleinen Zelt, durchaus intim, singt sie sich durch ein Destillat ihrer Lieder der letzten zwanzig Jahre.Begleitet wird sie von Reinmar Henschke am Flügel, der sich etwas ungelenk durch die Songs holpert und stolpert.Unangenehm auch der gelegentliche Gebrauch eines Synthesizers mit ziemlich abscheulichem Klang.Der Soundteppich fliegt nicht, ist zu löchrig, stürzt ab.Die Wechsel vom Synthie zum Flügel innerhalb eines Songs sind Murks.Auch die Meinecke scheint nicht so recht in Einklang mit ihrem Pianisten; faucht ihn wütend an, als er einen falschen Anfang spielt.Doch schnell fängt sie sich wieder und macht weiter mit ihren Liedern und Geschichten: von Frauen und Männern und Freunden, dem Lärm von Tankstellen und Waschanlagen vor ihrem Fenster, und den Unergründlichkeiten von Damenhandtaschen.Ob in ihrer Handtasche "Time out of Mind", das letzte Album von Bob Dylan steckt, bleibt unergründet.

Noch einmal heute, Tempodrom, 20 Uhr.

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