Kultur : VON HUNDERT

Christiane Meixner

Hier sitzt der Chef noch selbst am Tisch und kümmert sich um die Details. Tatsächlich sind es sogar zwei, die das Rad am Laufen halten: der Kunstjournalist Kito Nedo und der ehemalige Galerist Andreas Koch. Für beide muss es ein Vergnügen gewesen sein, ihr gemeinsam erdachtes Kunstmagazin jüngst im „Hackbart’s“ auch selbst noch zu verkaufen. Denn die vierte Ausgabe „von hundert“ – im Layout: „/100“ – war schon kurz nach ihrem Erscheinen ausverkauft.

Ein schwarzweißes Heft, unspektakulär und ganz entspannt gestaltet. Trotzdem – oder sollte man sagen: eben darum? – wichtig. Weil das Duo Ähnliches versucht, wie es der unlängst verstorbene Kritiker der „taz“, Harald Fricke, vor einigen Jahren mit seinem Magazin „u_spot“ getan hat: möglichst viel von dem aufzuzeigen, was in Berlins schätzungsweise 400 Galerien und in den Kunstinstitutionen läuft. Dazu gehören: große Ausstellungen, kleine Highlights, Tendenzen und ein bisschen Klatsch und Tratsch, den vor allem Nedo auf seinen Marathonläufen durch die Kunstszene aufgreift.

Zwar kann auch „von hundert“ auf 35 Seiten bloß einen Ausschnitt des kulturellen Überangebots abdecken. Und doch findet neben Events à la Mike Kelley (Galerie Jablonka) oder Jason Rhoades (Hamburger Bahnhof) ein Neuling wie der Kreuzberger Galerist Kai Hoelzner seinen Platz. Andere Autoren schreiben über Graffiti oder das Phänomen des omnipräsenten Kurators. Von dieser Allgegenwart ist „von hundert“ zwar noch weit entfernt und bislang bei den Buchhandlungen Pro qm, Walther König im Hamburger Bahnhof, Bücherbogen Savignyplatz und bei Barbara Wien erhältlich. Doch die aktuelle Ausgabe gibt es auch hier nicht mehr. Wer sie verpasst hat, der findet unter www.vonhundert.de alle Texte. Bloß die CD mit Songs vom Art Critics Orchestra gibt es nur im Heft. Christiane Meixner

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