Kultur : …von Kai Müller

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Ein Regisseur für berauschende Liebesszenen ist Ken Loach nicht. Seinem Versuch, den Akt in „französischen“ Detailaufnahmen mehr anzudeuten, denn zu zeigen, hat etwas DerbSommersprossiges. Trotzdem ist dem Chronisten der harten, britischen Sozialkonflikte mit Just a Kiss ein großartiger und wichtiger Liebesfilm gelungen. Das Paar: ein pakistanischer DJ und eine katholische Musiklehrerin. Sie begegnen einander in Glasgow, auf einer religiösen Demarkationslinie voller Verwerfungen. Das archaische Festhalten der pakistanischen Familie an traditionellen Werten einerseits, der Argwohn der katholischen Gemeinde andererseits scheinen die sich aufspreizende Dynamik von Parallelgesellschaften zu unterstreichen. Loach ist ein realistischer Träumer. Die Kraft der Liebe kann diese kulturelle Kluft nicht überwinden – und springt doch.

(Noch in sechs Berliner Kinos)

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