Kultur : Von Lichtern und Schatten

In München ein enormes Liebermann-Konvolut versteigert – Streit gibt es um die Herkunft einiger Werke

Katrin Wittneven

Die Bilder sind hinreißend: Eine belebte Wirtshausszene, in der das flirrende Sonnenlicht seinen Weg durch die Baumwipfel schickt und Glanzlichter auf den Waldboden malt. Eine in sich gekehrte, strickende Frau in der Küche. Der Maler selbst, der mit festem Blick die Leinwand taxiert. Die Sammlung gilt als eine der größten Kollektionen mit Werken von Max Liebermann; am kommenden Donnerstag soll sie im Münchner Auktionshaus Hampel versteigert werden: 35 Gemälde, Zeichnungen und Pastelle, mehr als dreißig Druckgrafiken und zahlreiche Briefe vor allem aus der Frühzeit des Berliner Malers. Insgesamt hat das 195 Stücke umfassende Konvolut einen Schätzwert von rund 5,5 Millionen Euro, doch wird ein weit höherer Erlös erwartet.

Einen wahren Schatz hat da der ehemalige Inhaber des Hertiekonzerns Hans-Georg Karg zusammengetragen. Der 2003 verstorbene, kinderlos gebliebene Liebermann-Sammler und seine Frau Adelheid haben ihren Besitz deshalb der von ihnen 1989 gegründeten Karg-Stiftung überlassen, die Hochbegabte fördert. Die Stiftung gab überraschend dem vergleichsweise kleinen Auktionshaus Hampel den Zuschlag für die hochkarätige Auktion, nachdem diese hier bereits gute Erfahrungen mit Versteigerungen aus dem Besitz der Kargs gemacht hat.

Der Auftrag ist ein echter Coup für das 1989 gegründete Haus; schließlich hätte eine so glänzende Offerte auch jedes andere deutsche und internationale Auktionshaus geziert. Doch das junge Münchner Haus will sich offenbar mit der Auktion profilieren und hat ein unschlagbares Angebot abgegeben, indem es auf die Einliefererprovision verzichtet und sämtliche weitere Kosten trägt. Mit Matthias Eberle und Margreet Nouwen übernehmen zwei ausgewiesene Kenner die Katalogproduktion – beide sind Herausgeber von Liebermann-Werkverzeichnissen. Alsbald wird gehörig die Werbetrommel gerührt: 100000 viersprachige Hochglanzbroschüren und 5000 Kataloge sind in alle Welt verschickt worden.

Ein erster Schatten fällt auf die Auktion, als die beiden extra angestellten Spezialisten zwei Gemälde aussortieren müssen, die nicht von Liebermanns Hand stammen. Doch weitaus schwerer wiegt der Vorwurf der Raubkunst, der nun, wenige Tage vor der Auktion gleich drei Gemälde betrifft, darunter das Spitzenlos „Wirtshaus in Overveen“, für das 650000 Euro erwartet werden. Zu den Gemälden fraglicher Herkunft gehören auch die 1890 entstandene „Straße in Zandervoort“ und der „Gemüsekarren“ aus dem Jahr 1906, die ebenfalls ehemaligen jüdischen Sammlern entwendet worden sein sollen. Es ist peinlich für das Auktionshaus, dass es das international arbeitende Art-Loss-Register erst in dem Moment um Überprüfung bat, als Vorwürfe von Erben jüdischer Sammler erhoben wurden. In anderen Häusern gehören solche Provinienzabsicherungen längst zum Standart, insbesondere wenn es sich bei der Herkunftsadresse der Kunst um ein so sensibles Geflecht wie ein Warenhausimperium der Dreißigerjahre handelt: Hans-Georg Karg ist der Sohn von Georg Karg, der 1933 Geschäftsführer der Warenhauskette Hermann Tietz OHG wurde. In dieser Woche schaltete sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ein und forderte eine erneute Überprüfung der Bilder. Dafür bleibt nun keine Zeit mehr. Die Auktion findet wie geplant statt. Die drei fraglichen Werke werden versteigert – allerdings unter Vorbehalt. Den mutmaßlichen Erben bleiben dann drei Monate, um ihren Rechtsanspruch nachzuweisen.

Hampel Kunst-Auktionen München, Auktion: 22. September, 15 Uhr, Besichtigung bis 20. September täglich 10–18 Uhr, 21. September 9–11 Uhr. Weitere Informationen unter www.hampel-auctions.com

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