Kultur : Von Roboterhand

„Technical Matters“: Die Galerie Deschler zeigt Kunst zum Thema Technik

Thea Herold

Albert Einstein machte sich über die Relativitäten dieser Welt Gedanken. Aber ebenso hatte er Zeit für Musik, zeichnete und schrieb wunderbare Texte. Bei allem schien er sich darüber im Klaren zu sein: „Das Schönste, das wir erleben können, ist das Rätselhafte. Es ist die Quelle aller Kunst und Wissenschaft.“

Genauer lässt sich die innige Beziehung zwischen Kunst und Technik nicht fassen, und genau diesem Thema widmet sich die Galerie Deschler. Fünf Sichtweisen kommen zusammen, Werkbeispiele für „Technical Matters“ von unterschiedlichster Art. Auf Antonio Riello traf man schon vor Jahren bei Paula Böttcher. Der Künstler immerhin blieb Berlin erhalten, obwohl es aktuelle italienische Kunst hier seit jeher schwer hat. Auch diesmal ist das bei Riellos Motiven – italienschön, puttenbauchig und pastellig – nicht anders. Doch dann entziffern sich seine martialischen „Malunterlagen“. Es sind Miniaturwaffen und -flieger, Spielzeuge für Helden.

Bei Holger Bär ging es immer zuerst um die Maltechnik. Er experimentiert seit langem mit computergesteuerter Malerei. Seine neue Serie entstand mit modifizierten Traditionsdrucktechniken, die die altehrwürdigen Meister beerben. Doch statt auf Kupfer wurde in Aluminiumplatte gestochen. Die fotografischen Motive kommen aus aller Welt: Seoul, Schanghai, Peking, New York. Dürer machte Stiche von der Wiese vor der Tür. Heute fliegt man.

Auch Jay Mark Johnson arbeitet mit Drucktechnik. Er scannt. Ultrachrome Pigmentdrucke im Riesenformat. Der Rest ist Trickkiste sieben. Wenn man vor „Sandro, den Bagger führend“ steht, glaubt man sofort, dass sich der Mann die Ateliermiete unter anderem als Spezialist für visuelle Effekte verdient. Die Farbschlieren erinnern an Sequenzen im Film „Matrix“, als der Held aus Raum und Zeit fiel. Tony Conway stapelt für sein großes Triptychon lange belichtete Fotosequenzen, schichtet sie, bläst sie auf bis zur Unschärfe und lässt von Hand gezogen sacht Farbe einschimmern. Malerisches Retuschieren. Dann rahmt er alles. Mixed Media oder schon Skulptur? Fragezeichen schließlich auch bei Patricia Waller. Sie strickt, umgarnt, umhäkelt und lotet die technischen Möglichkeiten bunter Wollfäden aus, diesmal in Form von Roboterarmen. Diese Greifer, diese ersten künstlichen Hände: Wenn man an jene unbegreiflichen Hirnströme denkt, die durch Künstlerhände gestaltet werden, dann haben diese komischen „Roboterstrickturen“ am Ende schon fast eine philosophische Dimension. Thea Herold

Galerie Deschler, Auguststr. 61; bis 2. Februar, Dienstag bis Samstag 12–18 Uhr.

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