Kultur : Von Rom nach Berlin

Sprecher der neuen Generation: der Architekt Daniel Gössler ist tot

Jürgen Tietz

Junge Architekten haben es nicht leicht, in Deutschland gegen die Vorbehalte der Bauherren und die Vormacht der Platzhirsche anzukommen. Für eine zeitgemäße und dialogbereite Architektur trat daher das 2002 bei Birkhäuser veröffentlichte Buch „Positionen junger Architekten in Deutschland“ ein. Mitherausgegeben wurde es von dem 1959 in Hamburg geborenen Daniel Gössler, der am Sonnabend in Berlin gestorben ist. Als Sprecher des „Arbeitskreises junger Architekten und Architektinnen im BDA“ arbeitete Gössler zwischen 1998 bis 2002 engagiert daran, Verkrustungen aufzubrechen und einen Dialog in Gang zu bringen.

Zu Gösslers besonderen Fähigkeiten gehörte es, komplexe Bauaufgaben zu durchdringen, um dann eine intelligente eigene architektonische Antwort zu finden. Eine Lösung, die auch künstlerisch überzeugt. Gössler, der an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studierte, 1994/95 Stipendiat der Villa Massimo in Rom war, betrieb seit 1987 mit seinem Bruder in Hamburg das Büro Architekten Gössler und Partner, das Ableger in Erfurt und in Berlin besitzt. Hier ist auch Gösslers wichtigster Bau entstanden, das Erwin-Schroedinger Zentrum in Adlershof. Ein Beispiel für seine Fähigkeit, historische Bausubstanz und den Blick in die Baugeschichte mit einer frischen und intelligenten Architektur zu verbinden. Eine qualitätvolle Architektur, von der man sich weit mehr verwirklichte Beispiele gewünscht hätte, als es dem Architekten zugestanden war. Jürgen Tietz

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