Kultur : Von Schloss zu Schloss

Die Tagestouren zu Herrenhäusern zeigen sehr unterschiedliche Anwesen

Waltraud Hennig-Krebs,Helmut Caspar

In der Mark laden eine Vielzahl von Schlössern und Herrenhäusern mit ihren Gartenanlagen zu einem Besuch ein. Wen die wechselvolle Geschichte dieser „Zeitzeugen“ interessiert, dem bietet die Tourismus Marketing Brandenburg in diesem Jahr vier so genannte „Schlösserfahrten“ als Tagestouren an, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. Einige dieser Häuser wurden bereits umfassend restauriert und werden zu unterschiedlichen Zwecken genutzt, andere unter Denkmalschutz stehende herrschaftliche Gebäude müssen noch gründlich saniert werden.

Wer sich am 13. Mai beispielsweise auf die Schlösserfahrt unter dem Motto „Barnimer Fabrikanten und Bankiers“ begibt, wird sehr unterschiedliche Anwesen sehen: Zum Auftakt geht es zum einst respektablen Stadtschloss Werneuchen, das der Berliner Motorpflugfabrikant Robert Stock im Stil der französischen Renaissance 1913 für seine Tochter errichten ließ. Ein weiteres Ziel ist Lanke mit dem Schloss und dem Park, der ursprünglich von Lenné gestaltet wurde. Das Schloss selbst, äußerlich gut erhalten, wurde 1858 als gräfliche Residenz erbaut und hat seinen märchenhaften Charakter bewahrt. Es ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele in der Mark Brandenburg, dessen historisierendes Fassadenbild sich am französischen Rennaissancestil orientiert. Das Innere ist hingegen stark durch die 40-jährige Krankenhausnutzung geprägt und dient vor allem an Wochenenden als Veranstaltungsort. Eine wechselvolle Geschichte hat auch das nächste Ziel: Schloss und Gut Liebenberg. Jahrhunderte lang war es der Sitz der von Bredow und gelangte später an den Fürsten Eulenburg. Nach der Enteignung wurde Liebenberg zum Schulgut.

Das noch nicht restaurierte Schloss Börnicke wechselte mehrmals den Besitzer. 1892 wurde es zum Sommersitz der Bankiersfamilie Mendelssohn-Bartholdy. Uwe Hamann, der Vorsitzende des Fördervereins Schloss und Gutshof Börnicke e. V., ist davon überzeugt, dass die Sanierung der stark vernachlässigten Anlage gelingt und sich das im Besitz der Stadt Bernau befindliche Anwesen zu einem weit über die Region bekannten Anziehungspunkt entwickeln wird. Geplant ist ein Automobilmuseum. Die ersten Oldtimer werden vom Herbst an im ehemaligen Pferdestall aufgestellt. Hamann hofft, auf dem Gutsgelände private Sammlungsstücke und auch solche zu zeigen, die bisher im Depot des Deutschen Technikmuseums Berlin stehen. Das Projekt wird von der Stadt Bernau und dem Landkreis Barnim unterstützt, die sich davon eine Belebung des Tourismus versprechen.

Das Schloss hat nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs allen Abrissversuchen standgehalten. Von der kostbaren Inneneinrichtung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert ist kaum noch etwas vorhanden. Allerdings gibt es noch alte Fotos, die einen Einblick in das großbürgerliche Milieu gewähren. Doch das Schloss soll, betont Hamann, wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt und als interessantes Zeugnis der klassischen Moderne erlebbar gemacht werden und zuversichtlich fügt er hinzu: „Die Dächer sind dicht, die Haustechnik ist intakt, und auch die Heizung ist in Ordnung.“ In einem der Repräsentationssäle seien noch Reste eines Deckengemäldes aus der Zeit nach 1739 und barocke Stuckaturen erhalten, allerdings stark restaurierungsbedürftig. Finanziert werden die Arbeiten durch Mittel der Europäischen Union, doch werden auch andere Geldgeber gesucht – und sind zum Teil auch schon gefunden worden.

Information und Buchung unter Telefon 03 31 / 200 47 47.

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