Kultur : Vor >>

Volker Sielaff

Albern, schrecklich und göttlich, und zwar alles auf einmal, sind die Verse des slowenischen Lyrikers Tomaž Šalamun , der gerade als DAAD-Stipendiat in Berlin lebt. Das Gedankliche ist in seiner Poesie der Eigendynamik der Sprache untergeordnet, seine Sprachfiguren sind oft surreal oder grotesk. Wenn die Skepsis gegenüber der Metapher eine typisch westliche Angelegenheit ist, so ist die ungestüme Bilderfreude und der Hang zum spielerisch Verrätselten in der Dichtung eine typisch osteuropäische Angelegenheit: So unterlief man auch die Zensur, denn über die Metapher wussten Zensoren wenig. Und so ist Tomaž Šalamun Poesie vor allem eine der Assoziationen und der Fragmente – und eine, die sich im übrigen selbst nicht allzu ernst nimmt.

Leise und mit großer Konzentration trägt Šalamun, 1943 in Zagreb geboren, seine Gedichte vor, in denen von Tod und Zerstörung die Rede ist, aber auch von der freudvollen Besiedlung der Welt. Dennoch: Die Welt verbessern kann und will er nicht. Was Šalamun gegen alle schwergewichtigen Programme einfordert, ist eine Poesie des Spielerischen, die er seit seiner frühen Gedichtsammlung „Das Pokerspiel“ mit befreiender Respektlosigkeit sucht. 30 Gedichtbände sind von Šalamun erschienen, einer Anfang der siebziger Jahre auch auf Deutsch. In der Wiener „edition korrespondenzen“ ist gerade der Band „Vier Fragen der Melancholie“ in der Übersetzung von Peter Urban erschienen. Tomaž Šalamun ist einer, der gegen alle Weltverbesserungsideologien immun ist. In seinem Gedicht „wohin ich mich lege“ klingt das so: „weg mit deinen pfoten / niemand wird mich mehr anfassen / kein rezept / kein pakt / kein verdreckter flanell / mit keinem haken / werdet ihr mich mehr hinauskriegen / mit keinem strohhalm.“

Sophiensäle:11.9.,22.30Uhr;12.9.,17.30Uhr

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