Kultur : Vor allem Dokument

ULRICH CLEWING

Was soll geschehen mit den Beständen des Dokumentationszentrums Kunst der DDR? Sie aufzugeben, sei jedenfalls keine Lösung, meint Kunstkritiker Matthias Flügge, der zusammen mit Jochen Spielmann, Leiter des Dokumentationszentrums auf Burg Beeskow, die Ergebnisse auf einer Arbeitstagung der Akademie der Künste präsentierte.Vielmehr müsse man sich darum bemühen, die Sammlung im Ganzen zu erhalten, um sie unter kunsthistorischen Gesichtspunkten zu inventarisieren und aufzuarbeiten.Kein leichtes Unterfangen, schließlich sind die 2,1 Millionen Mark, die die Treuhand 1991 für die Erhaltung der Kollektion zur Verfügung gestellt hatte, nahezu aufgebraucht.

Rund 30 000 Einzelposten umfaßt die Sammlung, die derzeit in Auszügen in der Ausstellung "Rahmenwechsel" im brandenburgischen Beeskow gezeigt wird, wobei die Bezeichnung "Kunst der DDR", die das Dokumentationszentrum im Titel trägt, ein wenig in die Irre führt.Genaugenommen handelt es sich dabei um den ehemaligen Besitz der Parteien und Massenorganisationen der DDR.Ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied, denn das heißt, daß sich darunter nicht nur Kunstwerke im engeren Sinn befinden, sondern auch kunstgewerbliche Gegenstände aller Art.Was letztere betrifft, so könne man durchaus darüber nachdenken, ob man diese nicht einer Institution wie dem Museum für Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt angliedere, sagte Flügge.Auch sonst eignen sich die Beeskower Bestände nicht, Glaubenskämpfe auszufechten.Die Kunst der DDR, die museale Qualität besitzt, hat nämlich längst ihre Orte gefunden, wie die Museen in Cottbus oder Frankfurt/Oder beweisen.

Daher gehe es nun auch vordringlich darum, das "Spannungsfeld zwischen Dokument und Monument" (Flügge) zu sichten.Weshalb das in den vergangenen Jahren nicht schon geschehen ist, wurde in der Akademie der Künste nicht erörtert.Klar sei lediglich, so Spielmann, daß die Beeskower Sammlung keinem rein historischen Museum überantwortet werden solle.Fragt sich: Warum eigentlich nicht?

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